190 Die Frühjahrssession des Reichstages 1884.
wenn wir jetzt sofort die gesamte Last übernehmen,würden wir uns an der Gegenwart versündigen; wirwürden uns an der Möglichkeit der Einführung ver-sündigen, wenn wir ganz plötzlich eine sehr viel größereLast, als zur Einleitung und Ausprobierung dieses Sy-stems überhaupt nötig ist, übernehmen wollten. Dasist für mich ein ganz unannehmbarer Gedanke, dieKosten dieser Entdeckungsreise, die wir in ein unbekanntesLand machen, sofort auf einen Maßstab hinauf zu schrauben,der der indizierte wäre, wenn wir dieses unbekannteLand annektiert haben und mit einem gewissen Luxusregieren.
Ich will mich darauf beschränken, dieser Behauptungder Sünde an der Zukunft zu widersprechen. Die Sündean der Gegenwart halte ich für eine Todsünde. DieVergangenheit hat manches an uns gesündigt, und wirmüssen es eben auch tragm, aber ich glaube, hier liegtuoch gar keine Sünde an der Zukunft vor.
Ich habe vorher bei Gelegenheit der Privatversiche-rungen und deren Konkurrenz eine Seite der Sache nochzu berühren vergessen, das ist nämlich die Privatver-sicherung auf Gegenseitigkeit. Ich glaube, daß wir durchderen Zulassung uns die Ausführung des Unternehmens,das die verbündeten Regierungen Vorhaben, wesentlicherschweren würden; wir würden auf diese Weise eineKonkurrenz Herstellen, deren erstes Ergebnis notwendigeine Verteuerung des Unternehmens sein würde wegenVerkleinerung des Wirkungskreises. Der übergroße Wir-kungskreis wird hier getadelt. Herr von Bötticher hatschon gesagt: er ist nicht größer als der mancher Privat-gesellschaft. Aber gerade in seiner Größe liegt die Trag-fähigkeit, und die staatliche Einrichtung würde außer-