Die bisherige Zollgesetzgebung unerschütterlich. 135
in neuester Zeit, und man hat einen großen Sieg darüberverkünden wollen, daß einige neue Anträge auf Schutzder inländischen Produktion in der Minderheit gebliebensind. Nun, meine Herren, wir können ohne Zustimmungder Majorität keine neuen Anträge durchbringen; aberman hat damit den Gedanken verknüpft, als könne mandurch Resolutionen und Anträge die verbündeten Regie-rungen in der Stellung, die sie in der Zollgesetzgebungeingenommen habeil, erschüttern oder irgendwie irremachen. Meine Herren, da könnte uns die stärksteMajorität dieses Hauses gegenüberstehen, wir werden inder Beziehung an dem, was wir an Schutzzöllen für dieVaterländische Arbeit bisher gewonnen haben, unbedingtfesthalien. Das ist die Ueberzeugung nicht bloß derpreußischen, sondern der sämtlichen verbündeten Regie-rungen ganz unerschütterlich, und keine Resolution undkein Antrag kann uns darin irre machen, und wennSie alle diese Resolutionen mit überwältigender Ma-jorität zur Annahme bringen, so wird uns die Ueber-zeugung von dem, was dein Reiche und Deutschlandvoll Nutzen ist, doch höher stehen, als die Majorität.(Bravo! rechts.)
Nach längerer, zum Teil recht lebhafter Debatte, an welcherder Reichskanzler nicht mehr teilnahm, wurde der prinzipielle Z Ider Monopolvorlage mit 277 gegen 43 Stimmen abgslehnt; da-für stimmten nur getrennt, keineswegs geschlossen Konservative undFreikonservative, einzelne Nationalliberale (von Treitschke u. a.),Elsässer (Grad, Zorn von Bulach), Schröder (Lippstadt) vom Zen-trum. In der folgenden 19. Sitzung am 15. Juni wurde die Vor-lage des weiteren in allen einzelnen Paragraphen(2—72) ab gelehnt. Mit 169 gegen 138 Stimmen gelangte da-gegen folgende Resolution, von der Kommission vorgeschlagen,modifiziert nach einem Anträge des Abgeordneten v. Bennigsen,zur Annahme: