60 Die Reichstastssession von 1882—83.
habe und dennoch in meiner Stellung ausharre und mirso viel Mühe und Arbeit mache und Ihnen eine so be-dauerlich lange Rede halte, wie die heutige, so könnenSie mich ja fragen: was veranlaßt denn diesen mattenGreis, seine Sisyphusarbeit fortzusetzen, wenn er selbstdie Ueberzeugung hat, er kommt zu nichts? Meine Herren,wir haben, in Preußen wenigstens, eine eigentümlichemilitärische Tradition, das ist die des Dienst- und desPflichtgefühls. Sie wissen, daß ich nicht freiwillig inmeiner Stellung bleibe, und wenn Sie mir in Gnadenund mit Zustimmung meines Herrn, des Kaisers, denAbschied verschaffen können, so bin ich außerordentlichdankbar. Interesse am Geschäft ist es nicht mehr, wasmich hält; aber da ich aus persönlichen Gründen,aus den Rücksichten, die ich Seiner Majestät schulde, ver-hindert bin, der Absicht weiter Folge zu geben, die ich1877 hatte, indem ich fühlte, daß meine Gesundheit meinerThätigkeit ein Ziel setze, — wenn ich daran verhindertbin, so bin ich auch nach meinem Gefühl, wie ich es vonJugend auf in Preußen gelernt habe, so lange ich dasAmt trage, verpflichtet, dieses Amtes zu warten, und ichmuß meinen Dienst thun, es mag mir sauer werden, esmag mir wider den Strich sein. Ich lebte viel lieberauf dem Lande, als unter Ihnen, so liebenswürdig Sieauch sind. (Heiterkeit.) Wenn ich es dennoch thue, so istes nur das Gefühl dessen, was man mit dem rohenAusdruck „verdammte Pflicht und Schuldigkeit" benennt,so lange ich den Titel des Kanzlers trage. (Bravo! rechts.)Ich habe das Gefühl gehabt, ich wäre berechtigt gewesenzu gehen, im Jahre 1877. Es ist mir damals die Er-laubnis dazu versagt worden, und es kam darüber dasJahr 1878. Nachdem ich dort meinen Herrn und König