10 Die Reichstagssession von 1879.
würde die längere Dauer meinerseits sehr gern in denVertrag hineingebracht haben, wenn wir ihn allein zudiktieren gehabt hätten; aber ich glaube nicht, daß wirohne wesentlichen Zeitverlust mit Oesterreich zu einer wei-teren Verhandlung gekommen wären. Es hat in der kurzenZeit, die uns geblieben war, schon Mühe genug gemacht,weil Oesterreich von uns erwartete, wir werden durchdas Bedürfnis des Vertrages so gedrängt, daß wir unsfügen würden, und bis auf den letzten Moment wartete.Die Zeit war schon so kurz, daß wir recht zufriedenwaren, diesen Abschluß zu erreichen. Von den gesetz-gebenden Gewalten unter Umständen, falls Oesterreich in-zwischen geneigt sein sollte, diesen Vertrag auf eine län-gere Zeit zu bewilligen, die Ermächtigung zu erbitten,darauf eingehen zu dürfen, liegt in meiner Absicht vordem Schlüsse des Reichstages.
Allerdings möchte ich auch, bevor ich in neue Ver-handlungen mit Oesterreich eintrete, wissen, wie die ge-setzgebenden Gewalten sich zu den Neformvorlagen in Be-zug auf die Zolltarife stellen werden, die augenblicklichfür den Bundesrat vorbereitet werden. Ich glaube, wirhaben Zeit genug, uns die Frage der Verlängerung diesesVertrages mit Oesterreich, immer, falls Oesterreich will —woran ich wenig Glauben habe — zu überlegen.
Ich will dem System der Handelsverträge im ganzennicht entgkgentreten; ein Handelsvertrag an sich ist nicht,was ich erstrebe, es kommt auf den Inhalt an. Die an-scheinend glänzenden Resultate, welche die gegenseitigenEin- und Ausfuhrtabellen gewähren, täuschen bei dergegenwärtigen Lage Deutschlands sehr, weil wir keineUrsprungsatteste haben. In unsrer Einfuhr nach Oester-reich ist, wie der Herr Abgeordnete Delbrück gestern schon