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Presse.
bringt. Erst die Reformationhat die P. ans der Taufegehoben u. das Flugblatt geboren, sie setzte mit Hilfeder Bnchdrnckcrkunst die erregbaren Geister in Be-wegung und brachte den träge fließenden geistigenStrom des Mittelalters in hochaufwogendc Wallung.
Aber schon vor dem Beginn der Rewrmation warddas Prohibitivsystem gegen die P. ins Leben gerufen,indem von Rom ans die Censur (s. d.) decretirtwurde. Vater der Censur war Papst Alexander VI.,der im Jahre 1492 den Befehl erließ, daß kein Buch-drucker ein Buch anders als nach erfolgter Approba-tion seines Bischofs drucken dürse; es geschah dies,um der Verbreitung ketzerischer Schriften zuvor-zukommen. Die Censur war anfänglich auf dasDeutsche Reich beschränkt, wo sie seitdem Jahre 1475schon in den Kurfürstenlhümern Köln n. Mainz be-standen hatte n. erst später auf andere Staaten aus-gedehnt wurden. JedeZuwiderhandlnng warmitEx-commnnication n. einer Geldstrafe bedroht. Eine im1.1515 erlassene Bulle Papst Leos X. verschärfte dieCensur n. führte sie in allen christl. Staaten ein. Eswurden besondere Büchercensoren ernannt und keinDruckwerk durste verbreitet werden, welches nichtvorher vom Großinguisitor durch eigene Unterschriftgebilligt worden war. JmÜbertretnngsfalle wurdendie Druckwerke consiscirt u. durch den Henker ver-brannt, der Drucker hatte 100 Goldgnlden Strafe zuzahlen u. wurde excommunicirt. Dieselben Strafentrafen auch den Schriftsteller. Aber der Hunger nachAufklärung durchbrach doch alle Dämme. Die An-sänge einer Prcßgcsetzgebung datiren aus dem Jahre1524, richteten sich aber zuerst nur gegen Schmäh-schriften (vgl. Nürnb. Rcichsabschied vom 18. April1524); die Censur im Prinrip wurde erst auf demReichstag in Speyer im Jahre 1529 angenommen.Den protestantischen Fürsten wurde aufgegeben, daßin ihren Landen nichts, was gegen den Glauben ver-stoße, gedruckt u. verkauft werden dürfe. Es wurdenallerorten in Deutschland Censnrbchorden eingesetztund die Drucker verpflichtet, den Druckort auf dieSchriften zu setzen, widrigenfalls Verfasser, Druckerund Verkäufer mit Leib und Gut zu bestrafen seien.Der kaiserl. Fiscal erhielt den Auftrag, die Censnr-behörden zu überwachen, ein Beschluß, in welchemdie ersten Anfänge der Staatsanwaltschaft in Preß-angelegenhcitcn wurzeln. Die Reformation erwiessich aber mächtiger als die Censur. In der geistigenMetropole Wittenberg wurde massenhaft prodncirt.Die Blllthezeit der Schmähschriften fällt in die Jahre1546—49, sie führten entweder gar keine od. erdich-tete Namen u. Drnckorte. In der von Kaiser Karl V.erlassenen Neichspolizeiordnung vom 1.1548 wurdedie P. wieder beschränkt u. die Censur verschärft.
Noch übler als in Deutschland sah es in Frank-reich ans. AusAntrag der Sorbonne verbot Franzi,die Buchdruckerknnst. Die Strafe des Stranges standauf dem Druck eines Buches. Tödten konnte manaber das neue Ungeheuer, die P., nicht (vgl. Berner,Preßrecht, S. 21 ). Es entstanden die FliegendenZeitungen od. Flugblätter, gegen deren HerausgeberPapst Gregor XIII. eine Bannbulle schleuderte.Uebrigens gab es schon im Jahre 1504 Zeitungennach unseren Begriffen für die Miltheilung der Ta-gesbegebeuheiten, doch entbehrten sie noch der Perio-dicität. Erst beim Beginn des 17. Jahrh. begegnetman regelmäßig erscheinenden Wochenschriften. Die
Druckereien vermehrten sich sehr schnell, namentlichin Deutschland u. hes. in kleinen Orten, wo sich dieBeaufsichtigung nicht durchführen ließ, trotz des Bcr-botes der Winkeldrnckereien, welche ihre Druckschrif-ten ins Ausland schickten, von wo sie ins DeutscheReich zurückströmten. Um sich dagegen zu sichernwurde angeordnet, den Buchdruckern einen Eid ausdie Beobachtung der gesetzlichen Vorschriften abzn-nehmen, sie auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen n. dieDruckereien zu visitiren. Die Bedrückung der P.wurde dadurch in ein System gebracht n. selbst dasImprimatur des Tensors schützte dis Druckwerkenicht vor Confiscation. Eine Zeit der Ruhe vorVexationcn kam für die P. erst nach Abschluß deswestphälischen Friedens. Ein kaiserl. Decret vom14. Aug. 1715 suchte zwar wieder Beschränkungeneinznfllhrcn, aber trotz aller Drohungen leisteten diestädtischen Obrigkeiten nicht Folge.
Es kam die Zeit des aufgeklärten Absolutismus.Keine menschliche Einrichtung kann greller zeigen,welche gewaltigen Unterschiede Wollen und Können,Ideal u. wirkliches Leben, Theorie n. Praxis voneinander trennen, als die Censur. In den Köpfendeutscher Fürsten u. erleuchteter Staatsmänner, diemit unverhohlener Bewunderung auf die staatlichenInstitutionen Englands u. NAmerikas blickte», kamdie Überzeugung der Schädlichkeit der Censur, dieserTyrannin, die unter dem Schutze der Gesetze n. unterder Fahne der Gerechtigkeit die Gedankenfreiheit ver- .nichtet, zum Durchbruch. Sie hatten die Preßhetze jvergangener Zeiten satt, denn was in einem neuen zZeitalter der menschliche Geist Gutes n. Großes her- zvorgebracht hatte, dankte er dem freien Geiste, der Iin Literatur n. P. trotz aller durch die Censur aus- kgerichteten Schranken zum Ausdruck kam. Die Cen- rjur blieb zwar noch dem Namen nach bestehen, ^wurde aber sehr milde gehandhabt. Der erste dent- §sche Staat, der die Preßfreiheit einsllhrte, war >Holstein. Der Minister Struensee dehnte das dä- .'irische Preßedict vom 14. Sept. 1770 auf dieses zu sDänemark in Personalunion stehende Land aus, es )war die erste Landung, welche die Englische Preß-freiheit auf dem Europäischen Continente vollzog(vergl. Berner, Preßrecht, S. 36). In England .war die Preßfreiheit schon drei Vierteljahrhunderte )früher zur Welt gekommen, nicht durch eine Bill,sondern durch Aufhebung der alten Censnrgesetze. In iFrankreich war dagegen selbst im 18. Jahrh. der ^Druck auf die P. noch so groß, daß Voltaire seine jfSchriften im Haag erscheinen lassen mußte. Erst dieErklärung der Menschenrechte, die der Verfassungvom 3. September 1791 vorangeschickt ist, brachte tFrankreich die Preßfreiheit, die aber bald genug inder Zeit der Schreckensherrschaft wieder zu Bodengetreten wurde. Der Literatur hat das Regime derGuillotine übrigens keinen großen Schadeil zngc-fügt, denn in der Epoche der kochenden Leidenschaf-ten behauptete der Journalismus das Feld, daherauch keine Bücher gedruckt wurden. Napoleon I.,der alle Ideologen haßte, setzte den Druck fort unddehnte ihn auf Deutschland ans, indem er Jagd auf -alle Schriften machen ließ, die sich über ihn nicht Igünstig äußerten. Nomiuell hat er zwar in Frank- zreich die Preßfreiheit wieder hergestellt, aber lne xdrakonischen Bestimmungen in dem Decret vom ö« gFebr. 1810 lasteten auf der P. schlimmer als die 8