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Bd. 14 (1879) Ostindienfahrer - Radeburg
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Polen

Negierungscommisfion der religiösen Culte und deröffentlichen Aufklärung gebildet; zum VorsitzendenGeneraldirector dieser Commission ist der polnischeMarquis Alexander Wielopolski mit Sitz im Admi-mstrationsrathe des Königreiches ernannt; eine all-gemeine Neugestaltung der Schulen ist angeordnet;höhere Lehranstalten werden begründet, darunter eineRechtsschule; es wird ein polnischer Staatsrath er-richtet, in welchen geistliche u. weltliche Notabilitäteneintreten u. zu dessen Wirkungskreis außer den ge-wöhnlichen Geschäften auch die Prüfung von Peti-tionen u. Beschwerden gehört; in den Regierungs-kreisen werden Kreisräthe, in den Bezirken Bezirks-räthe, sürdie größeren Städte Stadträthe frei gewählt.

Gleichwol blieb die Aufregung, da zu gleicher Zeitaus Befehl des Kaisers die Bürgerwehr aufgelöst u.angedroht wurde, Unordnungen aufs Allerschärfste zuahnden. Man trug sich von Neuem mit dem Gedan-ken eines selbständigen P-reiches, an dessen Spitze an-geblich der Herzog von Leuchtenberg gestellt werdensollte; die nationalen Kundgebungen steigerten sichdurch Absingung vonP-liedern indenKirchen u. neueAuslänse, auch vor dem Schlosse des Statthalters, sodaß die Regierung sich endlich 6. April auf Wielo-polskis Rath veranlaßt sah, die LandwirthschaftlicheGesellschaft als Centrum der Bewegung aufzuheben.Am 7. u. 8. April kam es zu neuen Ausständen u. zuBlutvergießen in Warschau; dies wurde militärischbesetzt u. der Gemeinderalh aufgelöst. Da auch dasLandvolk sich zu rühren begann, ordnete der Kaiserdie Ablösung der Frohndienste unter dem kleinenManne sehr vortheilhaften Bedingungen an, dochließ sich dieser dadurch nicht russenfreundlicher machen.Polnische Gedenktage wurden mit großer Ostentationbegangen, um den Haß zu bekunden, und auch derüber ganz P. 14. Oct. verhängte Belagerungszu-stand besserte nichts. Ain 15. Oct. mußten über 2000Personen in Warschau aus die Citadelle geführt wer-den. Der in P. vergeblich nach Vermittlung zwischenden P. u. Russen strebende Gortschakow st. 30. Mai18kl, ihm folgte als Statthalter der strenge GeneralSuchozanet ll., diesem schon 18. Ang. GeneralGras Lambert und ihm bald der unerbittlich harteGeneral LüderS. Dieser ließ viele P. tödten, nochmehr nach Sibirien senden und hielt mit rigoroserStrenge die äußere Ordnung ausrecht. Wielopolskiwar mit seiner Härte durchaus nicht einverstanden,so sehr er auch aller Revolutionäre selbst bekämpfteu. erwirkte in Petersburg die Ernennung des Groß-sürsten Constantin Nikolajewitsch zum Statt-halter , unter dem Wielopolski die Civilverwaltungmit großen Vollmachten führte (8. Juni 1862). DaLuders durch ein Attentat verwundet wurde, erhieltConstantin auch den Oberbefehl über die bewaffneteMacht. Ein den Tag nach seiner Ankunst in War-schau auch aus ihn unternommenes Attentat mißlang,2-Juli 1862. Constantin war bemüht, P. zur Wohl-fahrt zu verhelfen, möglichst viele Reformen zu ge-währen, so weit sie Rußlands Interesse zulicß, aberden P. genügte dies Alles nicht, sie widerstrebtennach wie vor Rußlands Joche, verlangten Wieder-herstellung ihrer Nationalität, Repräsentativverfass-ung, eigenes Heer u. Ministerium u. Einverleibungder altpolnischeu Provinzen in P. anstatt in Rußland.Die Aushebung zum russischen Militär goß Oel insHeuer. Die Regierung verordnete, man solle hier-PiererS Uiüversal-LonversatioirS-Lexitoit. 6. Lust. XI

bei des Bauern schonen und sich an den Städter alsden liberalen Kern der Bevölkerung halten. Kaumerfuhr Letzterer dies, so entzogen sich große MassenStudirender, Beamtensöhne, Kaufleute und bessereHandwerkerim Jan. 1863 der Aushebung u. rottetensich in den Wäldern zum Guerillakriege zusammen;der Landadel mit seinem Anhänge unterstützte sie. InWarschau rief einCentralcomite als provisorische Na-tionalregierung das Volk zu den Waffen u. versprachdem Bauernstände große Erleichterungen. Der Auf-stand kam im Lande in Gang, vom Centralcomitegeleitet u. durch revolutionäre Municipalitäten, derenHäupter anonym blieben, unterstützt. An die Spitzealler Banden trat Ludwig Mieroslawski als Dic-tator, aber die Russen schlugen ihn wiederholt ».nachder Schlappe von Radziejewo, Febr. 1863, mußteer P. verlassen. Marian Langiewicz erklärte sich 10.März zum Dictator, mußte aber schon nach einigenTagen nach Österreich übertreten, sein Corps setzte,sich zertheilend, den Krieg mit den Russen fort. DieNationalregierung verbot jede neue Dictatur strengeu. leitete allein die Jnsnrrection. Diese verbreitete sichüber ganz P. und die altpolnischen Provinzen Ruß-lands, mit barbarischer Grausamkeit bekämpften sichRussen u. P., jedes Mittel galt gegen den Todfeind,das Land wurde verwüstet, das Landvolk nahmwenig Antheil am Aufstande, desto mehr Kleinadelund Klerus; vergebens verwandten sich Frankreich,England, Oesterreich und Schweden bei Rußlandfür das unglückliche Land, die Intervention der dreierstgenannten Staaten verlängerte nur P-s Leiden,ohne ihm irgend zu nützen. Constantin verzweifeltemitWielopolski an der Möglichkeit einer Aussöhnung,verließ Warschau mit ihm und General Gras Bergwurde Statthalter mit enormen Vollmachten, 31. Oct.1863. Große Militär- u. Polizeimacht wurde auf-geboten, dieJnsurgenten trotz heroischster Gegenwehrüberall geschlagen; ihre Offiziere u. die schließlich be-kannt gewordenen Häupter der Natioualregieruugwurden hingerichtet. Berg in P. und Murawiew inLitauen herrschten unter dem härtesten Militärdes-potismus, suchten die nationale Stellung des Klerusu. des Adels zu vernichten u. dagegen den Bauern-stand zu heben u. für Rußland zu gewinnen. Zahl-lose Deportationen u. Confiscationen des Vermögensvon Insurgenten erfolgte», außerdem bes. in Litauenviele Hinrichtuilgen. Die Leibeigenschaft in P. wurdevom Kaiser 2. März 1864 vollständig aufgehoben u.die Landbevölkerung trat zu wesentlich selbständigen,vom Grundadel unabhängigen Geineinden zusam-men. Die meisten Klöster wurden beseitigt, die Be-sitzungen der Römischen Kirche eingezogen und ihrenGeistlichen feste Gehalte von der Regierung ausge-setzt, die dadurch über sie Macht bekam. Auch unver-dächtige Beamte polnischer Herkunst wurden aus demöffentlichen Dienste entfernt, der amtliche Verkehrwurde russisch eingerichtet u. Russisch mußte in de»Schulen gelehrt werden. Rußland wollte um jedenPreis P. russificiren. Um der Römischen Kirche Ein-fluß zu brechen, wurde von Alexander das Coucordataufgehoben und so die Polnische Kirche vom Papsteisolirt; das in Petersburg errichtete römisch-katho-lische geistliche Collegium stieß aber bei den P. aufentschiedenes Mißtrauen. Nachdem der alte zwischenAdel und Bauernstand bestehende Nexus zerrissen,schaffte der Ukas vom II.Nov. 1866 alle Servituten

V. Laad- LZ