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Bd. 14 (1879) Ostindienfahrer - Radeburg
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Polen

Recht inP.eingeführl rc. Bei alledem beharrten derpoln. Adel u. die Geistlichkeit auf ihrem Systeme derZurückhaltung, letztere wegen manuichfacher Ein-griffe derruff.Regierung in das Römisch-KatholischeKirchenrecht, der elftere in Erinnerung nationalerSelbständigkeit und weil der Adel gesetzlich von derKriegsdienstpflicht befreit war, was aber mit demUkas vom Mai 1852 ganz aufhörte u. den Eintrittvieler Polen ins russische Heer zur Folge hatte. Zuweiteren Vorsichtsmaßregeln sah sich Rußland da-durch veranlaßt, daß Napoleon HI., um die Polenzu seinen Zwecken zu benutzen, in fortwährendemVerkehr mit den Häuptern der poln. Emigrationstand; die ruffische Regierung sandte weitere Trup-pen u. verbot namentlich den Jesuiten den Eintritt,da in P. der Römische Katholicismus zu politischenZwecken ausgebeutet wurde. Alle Flüchtlinge, welchedem politischen Demokratenverein dcigetreteu waren,wurden 1851 um ihr Vermögen gestraft. Es wardazu um so mehr Veranlassung, als sich ein Polen-corps bildete, um an dem Kriege gegen Rußlandtheilzunehmen. Das Königreich wurde in kriegs-fähigen Zustand gesetzt, nachdem seit 1831 die vor-handenen Festungen verstärkt und fortwährend neuegebaut worden.

Alexander II. gab wohlwollende Gesinnungengegen P. zu erkennen, ohne jedoch im Wesentlichender Politik seines Vorgängers untreu zu werden.Zwar gestaltete sich das Verhältnis; zu Rom besser,aber nach wie vor war der Übertritt zur Griechisch-KatholischenKirchcerlaubt, jedoch ausderGriechisch.Katholischen zu einer anderen Coufession strafbar.Das bisherige Privilegium, daß jeder Vater dasRecht hatte, von mehreren Söhnen einen zu bezeich-nen, welcher kriegsdienstfrei blieb, wurde nur denBauern gelassen, dagegen dem Adel u. Bürgerstandegenommen. Die Umwandlung der Frohndienste derBauern, deren Leibeigenschaft schon lauge aufge-hoben war, in eine Geldleistung, ging nur langsamvorwärts. Während derAdel von den Russen milderals in Preußen ».Österreich behandelt wurde, wolltedie Negierung auch den Bauernstand gegen dennatioualgesinnten Adel sllr sich gewinnen.

Am 1. Febr. 1856 starb der bisherige Statt-Halter Fürst Paskewitsch u. au seine Stelle wurdeFürst Michael Gortschakow ernannt. Nach Ab-schluß des Pariser Friedens kam der Kaiser 22. Maiselbst nach Warschau und 27. Mai erschien zu Gun-sten der poln. Flüchtlinge ein umfassendes, 23. Julinoch erweitertes Amnestiedecret, jedoch machten nurWenige davon Gebrauch. JmJahre 1857 trat eine»ene, derrussischen sehr ähnliche Gerichtsorganisationin-Leben, welche die frühere der französischen nach-gebildete beseitigte. Am 21. Septbr. erschien dasiaiserliche Manifest wegen Ablösung der bäuerlichenFrohnen, wonach die Gutsbesitzer aufgesordert wur-den , sich mit Len Bauern in Zeit von fünf Jahre»auseinander zu setzen, nach Ablauf dieser Zeit aberdie Regierung sich verpflichtete, die Ablösung durch-zufllhren. Der Bau von Eisenbahnen wurde sehrbegünstigt. 1858 wich die russische Sprache bei derPostverwaltung u. der sogen. Grenzkammer wiederder polnischen, das polnische Wappen wurde in derWeise wie unter Alexander I. wiederhergestellt undder durch vielfache Mißbräuche verdorbenen Städte-verwaltung ausgeholsen. Im Februar 1859 wurde

(Gcsch.).

durch ein neues Gesetz der Frohndienst der Bauernnach freiwilligem Übereinkommen zwischen Grundsbesitzeru ».Bauern, in ein ewiges unlösbares Erb-pachtverhältniß verwandelt. Trotz alledem bliebendie großen Umwälzungen in Italien u. die migar.Bewegung in den Jahren 1859 u. 1860 nicht ohneRückwirkung aus die lebhafte Einbildung derPolen,die noch erregter wurde durch die Ausmunterung,welche die Nationalitätsidee von Paris aus erhielt.'Die Aufregung drang in immer weitere Kreise derpoln. Nation u. tagtäglich fand ein schrofferes Auf-treten gegen Russen, Deutsche u. Juden statt. Hier-gegen nützte der Monarchencongreß in Warschau,Oct. 1860, nichts. An dem Jahrestage des Aus-bruchcs der Revolution von 1830—31 fand einenationale Kundgebung statt, an welcher höhere undniederePersoneutheilnahmen. DieRegierungmachtesich schon im Dec. 1860 bereit, durch Heranziehungneuer Truppen dem Widerstande zu begegnen. DieAufregung stieg fortwährend u. wurde von dem sehrzahlreichen Landwirlhschastlichen Lentralverein ge-schickt geleitet. Man sprach von Wiederherstellungeines großen Polenreiches mit Galizien, Posen undDanzig, mit einemBouapartealsKöniganderIpitze.Febr. 1861 schien der Augenblick zur Ausführungeines entscheidenden Schlages gekommen. DerLaud-wirthschaftliche Vereinwarzu einer Generalversamm-lung nach Warschau auf 21. Febr. znsammenberusenworden, zn der sich gegen 1000 Mitglieder einfanden.Man faßte Beschlüsse, um die Erbzinsgllter in freiesEigenthum zu verwandeln n. Len Bauernstand fürdie nationale Erhebung zu gewinnen. Zugleich hoffteman aus einen Aufstand in Ungarn und einen Kriegam Rhein, wodurch Österreich und Preußen beschäf-tigt wären. Die Erhebung sollte mit der Feier desJahrestages der Schlacht bei Grochow 25. Febr. be-ginnen. Gegen 6 Uhr abends kam aus einer Kircheein Zug meist junger Leute unter Absingung reli-giöser u. vaterländischer Gesänge mit Fackeln u. einergroßen Fahne mit dem polnischen Wappen. Als daszahlreiche Volk des weißen Adlers ansichtig wurde,erscholl ein tausendstimmiger Jubelruf u. m diesemAugenblicke drang die Gensdarmerie mit bloßem Sä-bel auf die Menge ein, wobei mehrere gefährlicheVerletzungen vorkamen und Verhaftungen erfolgten.Am 26. verbot Gortschakow alle öffentlichen Umzüge,die polnische Bevölkerung trug aber fast allgemeinTrauerzeichen. Ein 26. abends erneuerter Ver-such einerProcessionendetewiedermitBlutvergießen;5 Personen wurden getödtet. Abgeordnete der Bür-gerschaft verlangten von Gortschakow die Absetzungdes Polizeidirectors Trepow u. die Ermächtigung zurErrichtung einer Bürgerwehr wie eines Sicherheits-comites u. endlich die Möglichkeit zur festlichen Be-erdigung der Gefallenen. Der Statthalter bewilligtediese Forderungen. Am 28. Febr. richtete eine Bnr-gerversammlung eine Adresse an den Kaiser u. sor-derte für P. die Durchführung der aus dem VollS-geiste, seiner Überlieferung u. Geschichte sich ergeben-den Grundsätze in Kirche, Gesetzgebung u. öffentlicherErziehung. Alexander verwarf de» politischen Theil,versprach aber administrative Reformen und diesebrachte der Ukas vom 27. März 1861: an der Stelledes Warschauer Lehrbezirkes und der geistlichen Ab-theilung in der Regierungscomission des Inneren n.der geistliche» Angelegenheiten wird eine selbständige