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Bd. 14 (1879) Ostindienfahrer - Radeburg
Entstehung
Seite
122
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Hauptstadt unternommene Entsatzversuch vollständiggescheitert. Der zweite Durchbruchsversuch sand 21.Dec. statt im Zusammenhang mit dem Vorgehen derfranz. Nord-Armee, die an diesem Tage hinter derSommelinie zwischen Peronne u. Amiens stand. Erwurde von Gen. Ducrot gegenLeBourget,Aulnay u.Sevrau gerichtet, wahrend Gen. Vinoy gleichzeitiggegenChelles imMarnethaldemonstrirte.vom Garde-u. 12. Corps indessen erfolgreich zurückgewiesen. In-zwischen waren die Vorbereitungen zum förmlichenAngriff der Festung so weit gediehen, daß Belager-ungsartillerie in Wirksamkeit treten konnte. DasHeranziehen der schweren Geschütze und enormenMunitionsmassen hatte, da die einzige Bahnlinie überToul vornehmlich für die Verpflegung der Armee umP. in Anspruch genommen wurde, sehr erheblicheSchwierigkeiten gemacht und war auch der immerhinnoch 10—12 M lauge Landtransport von Nantcuilan der Marne, der Endstation der Bahn, trotz allerAnstrengungen nur sehr langsam vor sich gegangen.Am 27. Dec. eröffncten 76 schwere Geschütze dasFeuer gegen den Mont Avron, dessen Batterien dasMarnethal weit aufwärts sperrten u. die Verbind-ung dcrCernirungstrnppen über den Fluß erschwer-ten. Bei dem Mangel an bombensicheren Unter-kunftsräumen war das leicht zu umfassende Plateaunicht zu halten u. wurde schon in der Nacht vom 28.zum 29.Dec. geräumt, nachdem sämmtliche Geschützein die Festung zurückgeführt waren. Während einTheil der gegen den Mont Avron erbauten Batte-rien gegen die Ostforts von P. in Thätigkeit ver-blieb u. die übrigen Geschütze im N. gegen die Fortsvon St. Denis in Batterie gebracht wurden, eröffnet?man 5. Jan. auch den artilleristischen Angriff gegendie Südsront vonP. 17 Batterien mit 96 schwerenGeschützen auf den Höhen von St. Cloud bis Bag-neux wirkten ansänglich gegen die FortsJssy,Vauves,Montrouge und die zwischen denselben errichtetenfeindlichen Geschützstäude, während die Feldartilleriedes 6. Armeecorps die Schanze Hantes Bruyöresin Schach hielt, konnten jedoch, da das Feuer derForts bald gedämpft war, demnächst ihre Geschossegegen die Stadtumwallung senden u. die Hauptstadtselbst bombardiren. Durch das Geschützseuer ge-nügend vorbereitet, wurde auch der Jugenieurangriffgegen die Forts Jssy u. Vanves durch Aushebungeines Verbindungslaufgrabens zwischen den Nord-lisieren der DörferLeVal, Clamart u. Chatiilou er-öffnet u. im Schutze desselben neue Batterien gegendie Festungswerke vorgeschoben, so daß 20. Januar123 deutsche Geschütze gegen die Südfront im Feuerstanden. Am 19. Jan. machte der Belagerte Lenletzten verzweiflungsvollen Versuch, die Cernirungs-kinie zu durchbrechen, wol nur zur Rettung seinerWaffenehre, da ein glücklicher Erfolg, nachdem diezum Entsatz herangerückten Armeen überall zurück-gedrängt waren und auch die Mißerfolge der Ost-Armee vor dem 14. Armcecorps schon bekannt seindursten, nicht mehr zu erwarten war. Unter demSchutze des Mont Valerien brachen franz. Colounenin der Stärke von etwa 100,000 Manu gegen dievon der 9. Jnf.-Div. besetzten Ortschaften Garchcsund Bnzanval Chateau vor, nahmen die SchanzeMontretont bei St. Cloud u. die Höhen nördl. desDorfes Garches. Das Eindringen in die befestigteListere dieses Dorfes und in den Park von Bnzanval

scheiterte an dem Schnellfeuer der in die Cernirungz.stellung vorgeeilten deutschen Truppen. Ein Vor-gehen aufMalmaison wurde durch die beiCarrierezam rechten Seineuser anfgefahreuen Batterien des l4. Armeecorps verhindert. Als demnächst das 5.Armcecorps zum Gegenstoß gegen die Höhen vo»Garches u. die Schanze Montretont vorging, traten kdie Franzosen mit dem enormen Verlust von 7000Mann denNllckzug nnlerdieFestuugswerke an. Es ,verdient noch hervorgehoben zu werden, daß in die-semKampf, wie auch schon bei LeBourget, Geschütze,die auf gepanzerten Eisenbahnwagen placirt warenu. sich auf den vorhandenen Bahnlinien dem Kamps-platz näherten, Verwendung fanden. Nachdem auch 'dieser Durchbruchsversuch mißlungen war und gegenEnde des Monats der Ausbruch einer Huugersnoth Iunmittelbar bevorstand — Brod und Pferdefleisch,ersteres zu 300, letzteres zu 30 Gramm für die Per-son berechnet, wurden schon seit Ende December vonder Regierung portionsweise ausgegeben —, so bliebdem vollständig nicdergeworfenen Feinde nur nochdie Capitulatiou übrig. Die darauf bezüglichen Ver-handlungen zwischen dem Grafen Bismarck u. JnleSFavre begannen 23. Jan. u. erfolgte darauf in derNacht vom 26. zum27.Jan. beiderseits die Einstell-ung des Feuers, sowie am 28. der Abschluß einesdreiwöchentlichen Waffenstillstandes und der Capitu-lation von P. Auf Grund der letzteren wurden am29.dendentschenTruppendieAußenforts übergeben,üo Stadtumwallung entwaffnet u. die Garnison mitAusnahme der Nationalgarde, etwa 250,000Mannkriegsgefangeu. P. zahlte eine Contribution von200 Mill. Frcs. Die Entwaffnung der National-garde u. die Besetzung der Hauptstadt durch die deut-schen Truppen, die Gras Bismarck forderte, wurdeauf die Bitten von Thiers n. Favre fallen gelassen.Während des Waffenstillstandes armirte man dieForts gegen die Stadtcuceiute, um sofort, wenn dieFriedensverhandlungcu scheitern sollten, zum Angriffgegen dieselbe zu schreiten. Am 26.Febr. wurde derPräliminarsriede unterzeichnet, welcher den deutschenArmeen die Thore der Hauptstadt 1. März öffnete.

Die bereits einige Tage später erfolgte Ratificaiionder Friedenspräliminarien hatte sowol die Räumungder Stadt, wie die der Forts des linken SciueuserSseitens der Deutschen zur Folge. Unter den Auge»der letzteren entwickelte sich bald darauf das traurige -Nachspiel der großartigen Belagerung u.Vertheidiz-ung: die Besitzergreifung der Hauptstadt durch dieCommune u. die Belagerung der Festung durch dieReste der franz. Linientruppen von Versailles ans.

Die Räumung der Forts des rechten Seiueufersseitens der deutschen Occupationsarmee erfolgte im iSept.,1871. ^

o) Über die Herrschaft der Coinmune s. untelFrankreich, S. 412 u. vgl. Lissagarcy, Gcsch. der sCo »imune 187 l, deutsch n. d. 2. frz. A., Brschw. IMLiteratur. 1) Topographie, Statistik».dgl.: Mercier, ladksan äs ?., Par. 1781—89,12BLe. (deutsch von Walch, Lpz. 1783—84, 8 Bde.); 'Dessen ldlsuvoau ll'ublsan äsPar. 1799, 6 Bde. p(deutsch von Cramcr, Brschw. 1799 , 2 Bde.): Bä- sdeker, Par., 8. A., Lpz. 1876; Lallemaud, Wandel-ungen durch P. aus alter u. neuer Zeit, Gotha iSll, iu. den jährlich erscheinenden Ummurirs äs k'eosuo- smis xolitigue et äs In statiutigne; Pariser Well- f