Palmen -
Palmen (Mar.), d. i. ein Ende Tau holen, in-dem man immer Hand über Hand setzt.
Palmen (Ualmao), Pflanzenfam. der Monocoty-ledonen , bei Endlicher die Klasse der krinvipes bil-dend. Der Stamm derP.ist, ausgenommen wenigeArten,;. B. dieÄgyptische od.Dumpalme (Hzipliasnotilgbaren) unverästelt, gewöhnlich stielrund, seltenermit gestreckten, gewöhnlich mit verkürzten Jnterno-dien. Blätter spiralig, halb nmsassend, oft mitstacheligen Stielen n. flacher, zerschlitzter, gefiederterod. fächerförmiger Spreite; Blüthenstände einfacheod. häufiger verzweigte Kolben in Scheiden, welcheoft faserig werden. Die Blüthen sind oft von Deck-blättchen gestützt und oft sehr zahlreich, so daß eineScheide, z. B. der Dattelpalme, an 12,000 enthält,n. auf einem einzigen Exemplare der Mandelpalme(rtzikansia amz^ckalina) können an 600,000 Bln-then hervorkommcn. Pistill frei, mit drei- od. ein-sächcrigen Fruchtknoten, in elfterem Falle mit 1, inletzterem Falle mit vielen Eichen. Griffel einfach od.fehlend, Narben 1 oder 3. Meistens 6 freie oder ineine Röhre verwachsene Staubblätter n. 3 innere n.
3 äußere Perigonblätter. Übrigens sind die Blüthenmeist ein- oder zweihänsig getrennten Geschlechtes,doch kommen auch ZwitterblUtyen vor. Die Fruchtist meist eine fleischige oder faserige Steinfrucht, mitknochenhartem, dickem oder auch dünnem ein- oderdreisächerigem Kcrnhanse, seltener eine Beere. Sa-men aufrecht, mit einem sehr großen knorpeligen od.hornartigcn Eiweißkörper, dessen innerer Raum je-doch bisweilen von einer Höhlung eingenommen wird,welche mit einer einzelne Zellen enthaltenden Flüssig-keit (die Kokosmilch bei der Kokosnuß) erfüllt ist.Die Form des Stammes ist verschieden, bald kurzund dick, bald lang u. dünn, bald walzenrnnd, baldin der Mitte dicker als oben und unten; gewöhnlichvon bedeutender Größe; so wird z. B. die Wachs-palme (Loroxz-ion s.Iriartoa amiieola), 50—60 inhoch u. hat 3—6 nr lange Blätter. Bei den sogen.Rotang-P., welche auf der Erde hinkriechcn odersich an Bäumen hinanfschlingen wie bei dem Spa-nischen Rohr (Oalamns), erreicht die Länge sogarbis 100 m. Endlicher theilt die P-gattnngen in fol-gende füns Tribns: itz) idrsoinns: die Gattungenüiiainasciorea, lüFospatliv, Lloronin, Xuntbia,Ill^opborbv, Iwopolckiuia, Lutsrpe, ^reea. Iriartoa,^ronga, Larzota n. a.; L) I-spickoearzünas: a)xiuuatikronäos (mit gefiederten Blättern): Oala-wns, 8a->'us, Llotroxz'lvn n. a.; ii) tiudvUitromios(mit gefächerten Blättern): Aanritia und Impiiio-earznim; (k) .Uorassinao: a) tiabollikrouciss: Uo-rassus, Uatania, Uzgiiiaonö n. a.; b) pinnabikrvn-äes: Lontinvieia, Ooonoma, Älanioaria u. a.; D)Oor/pbinao, Snbtribns a) Labaiinas: 6orz-plia,Invistona, Uiouala, Uralisa, (lopvrnivia, 8abal,Ldamasrops, lUiapliiv, Tlirinax n. a.; b) lUlrooni-einao: klwenix; D) Ooeoinas: a) aenloatao (mitStacheln): Hosnioneus, Baotris, Oniiislina, Nar-iinet!a,Toro6omin,Lstrooarz-nin; b)inermss (ohneStachel): IRais, 6veo8, 8/agrns, Olplotirsininm,Alaximiliana, lludasa u. Orbi§nz-a. Bgl. Martins,üonera et 8peeiv8 palmarniu, Munch. 1823—45,3 Bde. Innerhalb der Grenzen des heißen Erd-gürtels sind die P. die für den Menschen wichtigstePflanzensamilie, indem sie demselben fast alle Be-dürfnisse des Lebens befriedigen. Der aufsteigende
- Palmer. 5ö
Saft gibt abgezapft ein erquickendes weinartiges Ge-tränk (P-wein), welcher sich jedoch nur ganz kurzeZeit hält; die Samen liefern Al; die Blätter werden,zum Dachdecken, zur Verfertigung von Matten, Kör-ben u. Kleidern verwendet, die jungen Triebe undBlüthen liefern den sogen. Palmkohl, die Fasernder Blüthenscheiden werden zu Geweben und dieStämme als Bauholz verweildet, auch liefert dasMark mancher Arten eine Art Sago. Im Alter-thum dienten die P. den Alten zu mehreren Symbo-len; in Aegypten war sieSymbol desJahrescyclns,dem Sieger wurden P. als Sy mboldes Sieges gereichtu. vorausgetragen n. noch jetzt gilt ein Zweig der Co-cospalme als Bild des Friedens u. der Freundschaft,weshalb man in Ostindien Geschenke der Freund-schaft mit P-zweigcn schmückt. Auch der Tod galt inden späteren christlichen Zeiten als Sieg über dasErdenleben, u.die P. galten daher auch als Symboldes ewigen Friedens. Die Neger von Rio Grandebetrachten das P-reis , welches, ihr Oberhauptträgt als Zeichen der Herrschaft. Überhaupt gilt csauch als Symbol des Lebens u. der Kraft, der Weis-heit, der Freigebigkeit, der Fruchtbarkeit. Bgl. auchBertholdScemann, Populäre NatnrgcschichtcderP.,deutsch bearbeitet von Bolle, Lpz. 1857. Engter.
Pnlmenfarvn, so v. w. (Zwacksaosas.
Palmenfest, so v. w. Lanbhüttenfest; so v. imPalmsonntag.
Palmcnholz, Holz einer Palme, ans Guiana,hart, sehr schwer, mit holzigen, schwarzen, dichtenFasern auf grauem Grunde; zn feinen Tischler- undeingelegten Arbeiten gebraucht.
Palmenkcrne, die zur Ölbereitnng verwende-ten Samen der Olpalme (bllais gmianonsis).
Palmenoidcn, so v. w. Fruchtbringende Ge-sellschaft.
Pnlinenpnprcr, die Blätter der Cocospalme,von Oorrplia umdraeniikora n. besonders von Lo-rassns tlaboUikormis, aber auch die innere Seite derBlattstiele von Oroockoxs. oloracvu, welche eine zarteHaut bilden. Znm Schreiben vorbereitet ist das P.etwa 60 ein lang n.5om breit. Man schreibt auf das-selbe mittels eines Griffels u. macht die Buchstabenvnrch Einreiben mit einem an gebrannten Lappenoder mit einem Gemisch von Ül n. Ruß lesbarer.Das P. ist sehr haltbar u. man bedient sich desselbenschon mehr als 4000 Jahre. Glapel.
Pal mvnivachs, ein durch Abschabcn n.Anskochenmit Wasser ans der Rinde von Osroxzckon amUoola,einer auf den höchsten Punkten der Cordillercn wach-senden Palme, gewonnenes Wachs, welches bei 83"bis 86° schmilzt, u. mit dem Carnaubawachs wahr-scheinlich iventisch ist.
Pnlmcr, 1) Christian David Friedrich v.,evangel. Theolog, gcb. 27. Jan. 1811 zu Winnen-den unweit Stuttgart, studirte 1828—33 im Tübin-ger Seminar Theologie, wurde nach einigen Bica-riatsjahren 1836 Repetent an derselben Anstalt,1839 Diakonus in Marbach, 1843 Diakonus inTübingen, 1848 Archidiakonns ebendaselbst, 1851Decan der Tübinger Diöccse u. 1852 Professor derTheologie an der dortigen Universität, sowie späterauch Vorsteher der Evangelischen Predigeranstalt inTübingen; st. 29. Mai 1875. Er war ein hervor-ragend begabter Prediger u. Homiletiker. Als Uni-versitätslehrer und Schriftsteller bearbeitete er die