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Bd. 12 (1877) Laing - Mettenleiter
Entstehung
Seite
13
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Lamarquc

commandant von Mailand n. im Oktober Civil- undMilitärgouverneur in Neapel nnd erhielt im August1862 die politischeGewalt über alle neapolitanischenProvinzen. Im September 1861 übernahm er dasPräsidium des Ministercouseils u. das Portefeuilledes Äußern »nd brachte den Abschluß des deutsch-italienischen Handelsvertrages und die Allianz mitPreußen zu Stande. 1866 begleitete er den KönigVictor Emanncl als Minister ohne Portefeuille undals Generalstabschcf ins Hauptquartier. Nach derunglücklichen Affaire bciCustozza, 21.Juni, verhielter sich, im Widerspruch mit dem preußischen Plan,nnthätig u. trat, von der Haltung der öffentlichenMcinnng inJtalienveranlaßt, imAngnst vonseinemPosten zurück. Neben verschiedenen Versuchen seinVerhalten im Kriege 1866 zu rechtfertigen, brachteer imJnli 1868 in dcrKammer eine Interpellationüber eine Stelle im preußischen Generalstabsbcrichtein, welche sich tadelnd über die italienische Krieg-führung anssprach n. Lurch die er sich als persönlichbeleidigt darstellte. L., schon früher gegen Preußenseindsciig gestimmt, zeigte sich von jetzt ab als dessenerklärten Feind u. bekundete dies sofort durch Ver-öffentlichung der Depesche des Grafen Usedom vom17. Juni 1866, um zu einer moralischen Bernr-theilnng des preußischcnKricgsplanes die Handhabezu bieten. Einen Hanptschlag gegen die preußische Po-litik glaubte er zu führen durch Veröffentlichung derDepeschen Govoncs über seine Mission nach BerlinimJahrc 1866 unter dem Titel: bin po'piü äi Ines1873, 1. Bd., deutsch Mainz 1873. Jndeß seineDarstellung der Vismarckschcn Politik als einer ver-rätherischcnItalien n. Deutschland gegenüber erfuhrim preußischen Abgeordnetenhause 16. Jan. 1871eineZnrückivcisnng vonScitcn dcsFürstenBismarck,der L.sogar dcrAälschnng beschuldigte, während dasitalienische Ministerium über das ganze VerfahrenL-s in der italienischen Kammer 3. Febr. 1871 seinBedauern anssprach, ohne aber, ans Mangel an ge-setzlichen Mitteln, etwas thun zu können. L., dervon Oct.1870 bis Jan. 1871 Statthalter von Nomgewesen war, zog sich nun ins Privatleben zurück,aber keineswegs in den Ruhestand, wie sein Anfang1877 in Florenz erschienenes Buch: Die Staatsge-heimnisse unter dem constitntionellcu Regime, eineArt Fortsetzung von bin po'piü cls Ines, beweist.Mit besondcrcrHcftigkcit sträubte er sich daringegenden in das neue italienische Strafgesetzbuch anfzn-nehmcndcn Paragraphen betr. die Veröffentlichungvon Staatsdocnmentcn. Sqroot.

LaiNlN'siue, Maximilian Graf L.,franz.Ge-neral u. Politiker, gcb. 22. Juli 1770 zu St. Sever(Dcp. Landes), trat 1791 als gemeiner Soldat indie französische Armee,wnrdcunter Latonrd'AnvergneGrcnadierhauptmann n. wegen seines Sturmes ausFueuterrabia1793Gencraladjntant;alssolchcrdicntcer in Italien n. am Rhein; zeichnete sich 1800 alsVrigadegcneral bei Hohenlinden ans und kämpftedann in Spanien n. 1805 in Deutschland. 1806begleitete er den KönigJoseph nach Neapel n.wurdeinfolge seiner Waffcnthaten gegen dicEngländernnddie Vvlksbandcn dort znm Chef des Generalstabesernannt, was L. jedoch ansschlng, worauf ihn Na-poleon 1807 zum Divisionsgcneral erhob. 1808nahm er durch einen gewaltigen Angriff das starkbefestigte, von Hudson Lowe verthcidigte Capri,

- Lamartine. IS

ebenso zeichnete er sich 1809 im Feldzug gegenÖsterreich nnd 1812 gegen Rußland und darauf inSpanien ans. Nach Lein Sturze Napoleons trater außer Dienst, um jedoch mit dessen Wiederkehrvon Elba den Oberbefehl in der Vendee zu über-nehmen. Nach der Schlacht bei Waterloo flüchteteer nach Belgien, kehrte 1818 nachFrankreich zurück,wurde 1828 Depntirter, gehörte 183132 zu denAbgeordneten, die für Polens nnd Italiens Unab-hängigkeit sprachen, nnd st. i. Juni 1832. Bedeu-tendere Werke von ihm: lllsm. sur Iss avautnrAssck'un caual cls Navigation parallsls ä 1'L.clonr,Par. 1825; Os l'osprib wnlitairs su lfraucs; Ns-inoirss, Par. 1835. Teicher.

Lamartine, Alphonse Marie Louis, Pratde, franz. Dichter nnd Staatsmann, geb. 21. Oct.1790 in Macon; erhielt seine Bildung im Collegeder Glaubensväter zu Bellay, bewarb sich bei denstreng royalistischenGrnndsätzen seiner Familie wäh-rend der Kaiserzeit um keine Anstellung, lebte aufdem Landguts seiner Familie, Milly, n. in Paris,reiste 1813 nach Neapel n. trat 1814 bei der Gardeein, nahm aber nach Len HundertTagen seinen Ab-schied. Seine lllsclibatious poötiqmos, 1820, ver-schafften ihm großen Ruhm u. er wurde, um an denHof gefesselt zu werden, Gcsandtschaftssecrctär inNeapel (1821), dann in London n. endlich Geschäfts-träger in Florenz. 1829, nachdem seine üfouvollssmsckitations poöblguss 1823, n. seine Illarmouisspoötignss st rsligisnsss erschienen waren, kam erin die Akademie. Durch seine Heirath mit einerjungen Engländerin sehr vermögend, hielt er sichnach der Jnlirevolntion vom öffentlichen Leben ent-fernt und ging Mai 1832 mit einem von ihm selbstbemannten n.ansgerüstetenSchiff nach dem Orient,wo er wie ein souveräner Fürst anftrat. 1835 kamer in die Kammer, wo er, ohne sich cincrPartei an-zuschließcn, nur Gefühlspolitik trieb, dabei aber Re-den hielt, die in ganz Frankreich Aufsehen erregten.Mit einem parti social gab er, dcrconservativeFort-fchriltsmann, sich philanthropischen Rcminisccnzenhin n. suchlediese, mit der Orthodoxie vermengend,durch Umgestaltung des Christenthnms zu Gesetzenvcr allgemeinen Weiterbildung zu erreichen. Nachn. nach aber fiel er von der Ecksteinspartei (partickos bornss), wie er seine Partei nannte, mehr undmehr in die Opposition, woran besondere Schuldseine Studien zu der reinrcpnblikanischen Histoirsckos 6ironclins (ersch.Par. 1847 in 8 Bdn.) trugen.Das 1843 von ihm in Macon ins Leben gerufenedemokratische Blatt Lisn public gab dieser Wand-lung Ausdruck, der gemäß er auch ein von LouisPhilipp ihm angcbotcnes Ministerportefenille ans-schlng. Nachdem er sich an der Opposition gegenGnizot n.an der Baukettbcwcgung cifrigst bctheiligt,wurde er 24.Febr.18i8Mitglied der ProvisorischenRegierung nnd darauf Minister des Auswärtigen:dazu von 10 Departements in die ConstitnirendeNationalversammlung u. von dieser znm Mitgliedsder Execntivcoiilmission gewählt. Er war der po-pulärste Mann Frankreichs geworden, aber diePopularität war nur von kurzer Dauer: die Jnni-lage stürzten ihn. Nur wenige Freunde bemühtensich um seine Wahl znm Präsidenten n. nur durcheineNachwahl kam er 1849 in die Legislative. Nach-dem er noch im Savnc- nnd Loircdepartement dem