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6 (1888) Der Kulturkampf : 1871 - 1873
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Das parlamentarische Regime.

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gewöhnlich nur eine, oft auch keine dieser Fraktionen,mit dem ganzen Bestände des Ministeriums von Herzeneinverstanden ist. Man kommt sehr viel leichter an dieGrenze des gemeinsamen Territoriums, auf dem sich einsolches Koalitionsministerium überhaupt nur be-haupten kann; das Gebiet wird ein sehr viel engeres.Wir sind meines Erachtens bisher überhaupt nicht in derLage, ein Parteiministerium bei uns in Preußenbilden zu können. Das Ministerium muß einen vorwie-gend gouvernementalen — gestatten Sie mir nach meinerganzen Herzensauffassung den Ausdruck — königlichenCharakter tragen! (Bravo rechts!)

Sowie wir in Parteiministerien hineingeraten, sowerden die Gegensätze geschärft. Der König alleinund die Emanation, die von ihm und Seinerpolitischen Auffassung ausgeht, bleibt partei-los, und in dieser Stellung über den Par-teien, auf dieser Höhe der Krone, muß, meinesErachtens, die Regierung in Preußen gehal-ten werden. Es kann notwendig sein, nach dem gou-vernementalen Gefühl Seiner Majestät und der Regie-rung, mit einer Partei zu gehen und in anderen Fällenmit einer anderen. In England wird ein solcher Wechselgewöhnlich durch einen Ministerwechsel charakterisiert;sollen reaktionäre Maßregeln getroffen werden, so über-nimmt die liberale Partei das Ruder, aus der richtigenVoraussetzung, daß sie die nötigen Grenzen nicht über-schreiten wird; sollen liberale Maßregeln getroffen wer-den, so tritt vorzugsweise die konservative Partei ansRuder (Heiterkeit), aus derselben Rücksicht. Bei uns sindmeines Erachtens die Parteigegensätze noch zu schroff, unddas staatliche Gefühl, das Gefühl, daß jedes Individuum