192 Der Minister d. Ausw. Angelegenheiten; die Maigesetze.
kommen wollen. Die Einheit der Interessen Preußensund des Reiches und der Schutz für die preußische Ver-fassung liegt in der Einheit Seiner Majestät des Kaisersund des Königs; daß beide Organismen bisher aucheinen gemeinsamen Ministerpräsidenten gefunden haben,das war der Anfang, kann aber für die Dauer kaumfestgehalten werden. Ein Reichskanzler und ein Minister-präsident, dem die Sachen durch Neuheit der Zuständeund durch das Entgegenkommen mehrerer Parteien, wennnicht aller, so sehr erleichtert werden wie mir, der so sehrden Vorteil hat des frischen Eindrucks der Ereignisse ineiner allen willkommenen Neubildung, wird sich auch soleicht nicht wieder finden. Es wird vielleicht später fähi-gere, besser geschulte, arbeitsfähigere Leute geben als ich,aber sie werden nicht getragen sein von der Neuheit derEreignisse, ja man wird ihnen mehr Schwierigkeitenmachen, und es wird ihnen noch schwerer gemacht wer-den, einen solchen Umfang der Geschäfte zu bewältigen,wie er mir bisher obgelegen hat, wenn er mit demvollen und ehrlichen Gefühl der Verantwortlichkeit in dieGeschäfte eingehen will, wie ich es gethan habe. (Zu-stimmung.)
Der Herr Vorredner hat mich in einer Beziehungnicht verstanden: ich habe von Dissonanzen, von solchen,wie man sie unter dem Wort gewöhnlich versteht, nichtgesprochen, sondern nur von dem Uebermaß der Geschäfte,die auf mir lasten; Dissonanzen, die mich zum Ausschei-den veranlaßten, haben gar nicht stattgefunden. Ich habemich innerhalb des Ministeriums bei den letzten durchAbstimmung zur Entscheidung gebrachten Fragen jeder-zeit, wie ich glaube, auf seiten der Majorität befunden,und es ist auch nicht der Grund, daß ich irgendwo über-