190 Der Minister d. Ausw. Angelegenheiten; die Maigesetze.
scheidung des Reiches mit den einzelnen Gliedern desReiches zu erhalten und zu pflegen sucht. Daß ich dies,so lange ich eins dieser bedeutenden Aemter behalte, ganzin der Weise und durchaus in der Richtung thun werde,die in früheren Jahren Ihre Billigung gehabt hat, dasversichere ich hiermit nochmals ausdrücklich, und davonwollen Sie überzeugt sein! (Bravo!)
2. Das parlamentarische Regime.
25. Januar 1873.
Der Abg. Virchow erklärte nach der vorstehenden Rede,manche Bedenken für den vom Fürsten Bismarck als möglich be-zeichneten Fall, daß der Reichskanzler einmal ein nichtpreußischerDeutscher wäre, nicht zurückhalten zu können. Er betrachte es alsdurchaus selbstverständlich, daß der preußische Ministerpräsident undder Reichskanzler immer dieselbe Person sein müßten. Der fort-schrittliche Redner führte des weiteren aus: „Ich bsdaure es sehr,daß sich innere Dissonanzen im preußischen Ministerium heraus-gestellt haben, welche den Herrn Reichskanzler veranlaßt haben, dasMinisterpräsidium niederzulegen; indes aus dieser Erfahrung scheintmir doch in erster Linie hervorzugehen, daß die Auffassung, die derHerr Reichskanzler bis dahin von der Stellung des preußischen Minister-präsidenten hatte, eine nicht ganz korrekte war u. s. w." Er meinteferner, es sei „nach der Katastrophe im Schoße des preußischenMinisteriums" an der Zeit, ein Gesetz über die Organisation desStaatsministeriums zu erhalten, damit man endlich, wie in Eng-land, zu dem gelangte, was man parlamentarisches Regiment undwahrhaft konstitutionelles System nennen könnte. Aber freilichführe der Herr Reichskanzler englische Beispiele immer nur imMunde, während er in der That russischen Vorbildern folge. FürstBismarck antwortete:
Der Herr Vorredner hat zunächst vor seinem in dieZukunft blickenden Auge sich das Gespenst eines den