186 Der Minister d. Ausw. Angelegenheiten; die Maigesetzs.
der Bundesregierungen vorzugsweise vor dem Reichstagedie Dinge zu vertreten hat — wenn er diese Eigenschaftenin sich vereinigt, so ist dadurch eine Lage gegeben, beider Sie viel eher sich im preußischen Ministerium erkun-digen können: „verliert ihr auch nicht die Fühlung mitdem Reichskanzler?" als daß Sie Veranlassung haben,den Reichskanzler zu fragen: „verlierst du auch nicht dieUnterstützung des preußischen Ministeriums?" Der Reichs-kanzler kann ein Gewicht durch andere Elemente gewinnen,welches viel stärker ist, als die Disposition über die 17preußischen Stimmen, und daß ihm die entgehen sollten,so lange er der Hauptvertrauensmann Seiner Majestätdes Kaisers ist, ist ja eigentlich kaum denkbar; auch dann,wenn er sie nicht selber führte und instruierte, so wirder doch immer in der Lage sein, Seiner Majestät demKönige von Preußen als Stimmsührender für Preußen,so lange er es bleibt, Vortrag zu halten und, wenn eres nicht mehr wäre, Seiner Majestät dem Kaiser alsdessen Kanzler und Hauptvertrauensbeamter, denn dasmuß er sein, wenn er seinen Platz ausfüllen soll, Vor-trag über diese Dinge zu halten, und es ist sehr unwahr-scheinlich, daß, wenn der Reichskanzler gegen die Neigung,eine divergierende Neigung der preußischen 17 Stimmenbei Seiner Majestät dem Kaiser Protest einlegte, es fak-tisch ausführbar sein würde, diese 17 Stimmen, die gegenden Willen Seiner Majestät des Kaisers nicht abgegebenwerden können, gegen den Willen des Reichskanzlers —es kann ja einmal Vorkommen, aber nicht dauernd, dasist meiner Ansicht nach nicht möglich — abgegeben wer-den. Dies würde immer zu einem Wechsel in der Persondes Reichskanzlers oder zu einem Wechsel in den Personendes preußischen Ministeriums führen müssen. Ich kann