Druckschrift 
6 (1888) Der Kulturkampf : 1871 - 1873
Entstehung
Seite
177
Einzelbild herunterladen
 

Die Ressortverhälkn. des preuß. Staatsministeriums. 177

9. Dezember wurde darauf die Kreisordnung von dem so verstärktenHerrenhause angenommen und am 13. Dezember vom Könige vollzogen.Es ist hier nicht die Stelle, Betrachtungen darüber anzustellen, ob mitdiesen Vorgängen der Antrag des Fürsten Bismarck vom 20. De-zember in innerem Zusammenhangs steht, ihn aus dem Präsidiumdes Staatsministeriums zu entlassen. Es erging am 21. Dezemberfolgende Allerhöchste Ordre:Auf Ihren Antrag in dem Berichtevom 20. Dezember will ich Sie von dem Präsidium Meines Staats-ministeriums hierdurch entbinden. Sie behalten den Vortrag beiMir in den Angelegenheiten des Reiches und der auswärtigenPolitik und sind, im Falle Ihrer Behinderung an der persönlichenTeilnahme an einer Sitzung des Staatsministeriums, befugt, IhrVotum in den die Interessen des Reiches berührenden Angelegen-heiten unter Ihrer Verantwortlichkeit durch den Präsidenten desReichskanzleramts, Staatsminister Delbrück, abgeben zu lassen. DerVorsitz im Staatsministeriuni geht an den ältesten Staatsminister(Kriegsminister Grafen Roon) über." Am 1. Januar 1873 wurdendem Fürsten Bismarckals erneuter Beweis der königlichen höchstenAnerkennung und nie erlöschenden Dankbarkeit" die brillantenenInsignien des Schwarzen Adlerordens verliehen. Das neue Ver-hältnis unseres Staatsmannes wurde in der 33. Sitzung des Ab-geordnetenhauses am 25. Januar 1873 bei der Beratung des Etatsfür das Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten durch denAbg. Laskör zur Sprache gebracht. Derselbe richtetean denHerrn Minister der Auswärtigen Angelegenheiten" die Anfrage:ob er sich richtig in der Auffassung bewege, daß innerhalb despreußischen Ministeriums das Ressort des einzelnen Staatsministersdie politische Stellung desselben nicht begrenze, dagegen die Teil-nahme als Staatsminister jedes einzelne Mitglied verpflichte, mitvoller Verantwortlichkeit, namentlich für die Akte der hohen Politikeinzutreten und demgemäß auch Fürsorge zu treffen, daß die in demMinisterium selbst einheitlich vereinbarte Politik von jedem einzelnenStaatsminister vertreten werde." Er schloß:Es würde mir zugroßer Genugthuung gereichen, wenn diese Gelegenheit das Landdarüber ausklären möchte, daß auch fortan dem preußischen Staats-ministerium der Beistand und die Energie des auswärtigen Ministersund Reichskanzlers nicht fehlen werde." Der Minister der Aus-wärtigen Angelegenheiten gab hierauf die nachstehende Erklärung ab:

12

2S0.