Druckschrift 
6 (1888) Der Kulturkampf : 1871 - 1873
Entstehung
Seite
168
Einzelbild herunterladen
 

168

Die Reichstagssession 1872.

Würdigkeit, dann in Bezug auf die Versöhnlichkeit seinerGesinnungen und Haltung, daß die Wahl eines solchenBotschafters, wie sie Seine Majestät der Kaiser in der Personeines bekannten Kirchenfürsten' getroffen hatte, in Romwillkommen sein werde, daß sie als ein Pfand unsererfriedlichen, entgegenkommenden Gesinnungen aufgefaßt,daß sie als eine Brücke der Verständigung benutzt werdenwürde; ich hatte gehofft, daß man darin die Versicherungerkennen würde, daß wir etwas anderes, als das, wasein Seiner Heiligkeit dem Papste auch durch die intimstenBeziehungen verbundener Kirchenfürst sagen, vortragenund ausdrücken könnte, nie von Seiner Heiligkeit demPapste verlangen würden, daß die Formen immer die-jenigen bleiben würden, in welchen ein Kirchenfürst demanderen gegenüber sich bewegt, und daß alle unnötigenReibungen in einer Sache, die an sich schwierig genugist, verhütet werden würden. Man hat an diese Ernen-nung manche Befürchtungen auf evangelischer und libera-ler Seite geknüpft, die meines Erachtens in einer un-richtigen Würdigung der Stellung eines Gesandten oderBotschafters überhaupt bestehen. Ein Gesandter ist wesent-lich doch nur das Gefäß, welches, durch die Instruktionenseines Souveräns gefüllt, erst seinen vollen Wert bekommt.Daß aber das Gefäß ein angenehmes, willkommenes sei,ein solches, welches nach seiner Beschaffenheit, wie manvon alten Kristallen sagte, Gift oder Galle in sich nichtaufnehmen kann, ohne es sofort anzuzeigen, das ist aller-dings wünschenswert in so delikaten Beziehungen, wiediese sind. Das hatten wir gehofft zu erreichen. Leiderist aus Gründen, die uns noch nicht dargelegt sind, dieseIntention der kaiserlichen Regierung durch eine kurzeAblehnung von seiten der päpstlichen Kurie verhindert