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6 (1888) Der Kulturkampf : 1871 - 1873
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Die Landtagssession 1871—1872.

mit der römisch-katholischen Konfession in einem von dieserunumwunden anerkannten guten Vernehmen zu leben.Dieser Frieden begann aber minder sicher für uns zuwerden von dem Augenblicke an, wo Preußen mit seinerevangelischen Dynastie eine stärkere politische Entwickelungnahm. So lange neben Preußen zwei katholische Haupt-mächte in Europa waren, von denen jede, einzeln gedacht,für die katholische Kirche eine stärkere Basis zu sein schienals Preußen, das kleinere Land, da haben wir diesenFrieden gehabt; er wurde schon bedenklich und angefochtennach dem österreichischen Kriege, nachdem die Macht, welchein Deutschland eigentlich den Hort des römischen Ein-flusses bildete, im Jahre 1866 im Kriege unterlag unddie Zukunft eines evangelischen Kaisertums in Deutsch-land sich deutlich am Horizont zeigte.

Aber man verlor die Ruhe auf der andern Seitevollständig, als auch die zweite katholische Hauptmachtin Europa denselben Weg ging und Deutschland einst-weilen anerkannt die größte Militärmacht und einstweilen,und vielleicht, je nachdem es Gott will, auf längere Zeithin, die größte Schwerkraft in der politischen Wagewurde, ohne unter einer katholischen Dynastie zu stehen.Ich will den ganzen Kausalzusammenhang nicht ent-wickeln. Gleichmäßig mit dem Wachsen Preußens habenwir die Beeinträchtigung des konfessionellen Friedens vonHause aus gespürt, und man hat nach vielen Mittelngegriffen, um Waffen gegen uns in die Hand zu be-kommen.

Wie vom Standpunkte unserer Diplomatie die Sachesich verhält, das will ich Ihnen mit wenigen Wortenaus einem Berichte darlegen, der mir gerade mit derheutigen Post hier zuging von einem unserer erfahrensten