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6 (1888) Der Kulturkampf : 1871 - 1873
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Eine Auseinandersetzung mit Herrn vr. Windthorst. 103

gegenüber, von der sie stiefmütterlich behandelt werde, fich freund-lich zu benehmen. Der Ministerpräsident korrigierte das:

Ich will nur berichtigen, daß ich mich über die un-freundliche Haltung der polnischen Bevölkerung garnicht beklagt habe, auch gar keinen Grund dazu hätte.Die Bevölkerung ist dankbar und erkenntlich für eineväterliche und freundliche Regierung, die sie hat. Ichhabe mich über den polnischen Adel beklagt und überden Beistand, den die Geistlichkeit ihm leistet.

Besonders entrüstet zeigte sich der Abg. Windthorst über das„Uebermaß heftiger persönlicher Angriffe, welche der Ministerpräsidentgegen ihn gerichtet habe, um durch Verdächtigungen seine Loslösungvom Zentrum zu bewirken". Seine Anhänglichkeit an die hannöver-sche Königssamilie werde bis zum Grabe sortdauern, aber er seiauch eingedenk des Schristwortes: „Du sollst unterthan sein derObrigkeit." Der Ministerpräsident unterhalte ja eine weitverbreitetegeheime Polizei; wenn ihm, dem Redner, etwas zur Last fiele,so würde das gewiß schon zu Tage gekommen sein. Solche An-griffe seien unqualifizierbar, denn er, der Redner, unterstehe unbe-dingt der diskretionären Gewalt des Präsidenten, was mit Bezugauf die Minister nicht völlig klar sei; deshalb seien die Waffen nichtvöllig gleich. Darauf erklärte zunächst der Präsident v. Forcken-beck, daß die diskretionäre Gewalt des Präsidentensich auch auf die Ministerbank erstrecke, daß aber einGrund, sie auszuüben, nicht Vorgelegen habe. Der Minister-präsident gab zur Antwort:

Ich gehe auf die eben angeregte Prinzipienfrage überdie Disziplinargewalt nicht anders ein, als daß ich nurkonstatiere, daß ich die Ansicht des Herrn Präsidentennicht teile, aber wohlgemeinten Erinnerungen von ihm,in Anerkennung seiner Haltung, die er den Debattengegenüber überhaupt beobachtet, als denjenigen eines er-fahreneren Freundes, mich sehr gern fügen werde, ohne