Eine Auseinandersetzung mit Herrn Or. Windthorst. 99
Sie werden mit weiteren Anträgen und Klagen, wieman mir sagte, kommen zu gunsten der polnischen Sprache;wir werden Ihnen mit Gesetzesvorlagen zu gunsten derBeförderung der deutschen Sprache entgegentreten (Bravo!links), auch für die Provinz Posen.
Denn es ist für die Eingesessenen ein Bedürfnis,daß sie den Staat, in dem sie leben, aus eigener Kennt-nis zu beurteilen wissen, und daß sie nicht auf das trü-gerische Bild angewiesen sind, das ihnen von klügerenund gebildeteren Leuten in die eigene Sprache übersetztwird, während sie selbst unfähig sind, ein eigenes Urteilsich zu bilden. Wir halten es für ein Bedürfnis, daßjeder Staatsbürger in die Lage gesetzt werde, sich dieKritik über die Regierung, die über ihm steht, selbst zubilden; und dazu ist erforderlich, daß die deutsche Sprachemehr als bisher gefördert und das Verständnis dafürin weiteren Kreisen eröffnet werde, und das Unterrichts-gesetz und alle Vorlagen, die wir Ihnen machen werden,müssen von dieser Tendenz beseelt sein. Wir habenlange gewartet, wir haben hundert Jahre gewartet aufdie Ergebnisse eines anderen Verfahrens; wir werdenuns künftig dasjenige annähernd zum Muster nehmen,was beispielsweise von Frankreich im Elsaß zur großenAnerkennung der Elsäßer beobachtet worden ist. (Hei-terkeit.)
Damit habe ich zu der katholischen Opposition ge-sprochen und, wie ich glaube, nicht polemisch, sondernfriedfertig gesprochen — auch bitte ich Sie, meineHerren, legen Sie meinen Wendungen keine ironischeBedeutung bei, möchte ich mit den Worten des HerrnAbg. Reichensperger von gestern bitten — ich habe denaufrichtigen Wunsch, mit Ihnen zum Frieden zu kommen,