86 Die Landtagssession 1871—1872.
trauen habe. Also lassen Sie uns einen Augenblick aufdieses Thema zurückkommen.
Wie kommt es eigentlich, daß wir seiteinem Jahre in einem unbehaglichen kampf-artigen Zustande uns gegenseitig befinden,während die meisten von Ihnen bis kurz vor-her noch das Befriedigende der Zustände derkatholischen Kirche in Preußen nicht genugrühmen konnten? — Und ich glaube, Sie hätten nochheute recht, dasselbe mit Dank zu der preußischen Re-gierung zu sagen, die jeder Konfession eine Freiheit derBewegung gibt, von der Sie sehr vollständigen Gebrauchmachen. Wie ist das gekommen?
Ich habe neulich mein Erstaunen darüber ausge-sprochen, daß sich auf einem rein politischen Gebiet einekonfessionelle Fraktion gebildet habe. Indessen, ich würdees doch noch als einen Vorteil betrachten, wenn dieseFraktion wirklich eine ganz rein konfessionelle gebliebenwäre, wenn sie nicht versetzt worden wäre mit anderenBestrebungen, wenn sie sich nicht belastet hätte mit derProzeßführung für Elemente und Bestrebungen, die derfriedlichen Aufgabe, welche jede Kirche hat, und auch diekatholische, eigentlich vollständig fremd sind. Zu denAufgaben der katholischen wie jeder christlichen Kirchegehört die Pflege des Friedens und eines gesichertenRechtszustandes des Landes, wo sie besteht; das bestreitenSie auch nicht, selbst der Herr Abgeordnete vr. Windt-horst gibt eine zustimmende Kopfbewegung. Aber deshalbwäre es meines Erachtens Ihre Aufgabe gewesen, sichvon dem Einfluß solcher Faktoren frei zu halten, derenElement der Kampf ist, deren Zukunft allein im Kampfund in der Unsicherheit der gegenwärtigen Zustände liegt.