82 ' Die Landtagssession 1871—1872.
gegen sein kann. Hätte ich gewußt, daß der Herr Abg.Reichensperger sprechen würde, so würde ich ganz gewißgekommen sein (Heiterkeit), obschon ich glaube, daß nachunserer 23jährigen gemeinschaftlichen parlamentarischenThätigkeit der Herr Abgeordnete mir so sehr viel, wasich nicht schon wüßte, heut nicht mehr sagen kann, undich ihm auch nicht. Ich kann mir lebhaft denken, waser gesagt haben wird (Heiterkeit) —, doch muß ich sagen:von Zeit zu Zeit — höre ich den Herrn Abgeordnetengern. (Heiterkeit.)
Ich kann dasselbe leider nicht sagen von seinemHerrn Fraktionsgenossen, der nach ihm gesprochen hat,weil ich bei diesem Herrn eine zu ausgebildete und durcheine zu gute Schule gegangene Geschicklichkeit finde, dieWorte, die ich und andere gesprochen haben, sich so zu-recht zu legen, wie es gerade für seine augenblicklichenZwecke paßt, und weil diese Beispiele so häufig und so in-einander verwachsen sind, daß es wirklich schwer seinwürde, den einzelnen unter ihnen nachzuspüren.
Ich erlaube mir hier nur eine Verwahrung ein-zulegen gegen die Stellung, die der Herr Abgeordnetemir, in einem gewissen Gegensatz zu dem monarchischenPrinzip, zu dem Prinzip der Majoritätsherrschast hatgeben wollen. — Ich lasse ganz unentschieden, wohindieser Pfeil zielt, den der Herr Abgeordnete schoß, aberich kann ihm aus voller Ueberzeugung versichern, erfällt machtlos ab. Ich habe meine langjährigen Probenim Dienste des monarchischen Prinzips in Preußengegeben, dem Herrn Abgeordneten steht dies, wie ichhoffe, noch bevor. (Heiterkeit.)
Der Abg. Windthor st bedauerte, daß der Ministerpräsidentihn ungern höre; doch richte er seine Reden nicht für diesen, son-