Die Landtagssession 1871—1872.
enthalten, ich habe mir gesagt, die Frage ist zu ernst,ich will abwarten, wie sich die Partei entwickelt, ob freund-lich oder feindlich, ich habe geschwiegen. Von jenerSeite wurde nicht geschwiegen!
Ich mußte, als ich aus Frankreich zurückkam- er-fahren, welche Mittel bei den Wahlen angewendet wordenwaren, um die Wahlen dieser neuen Partei durchznsetzen.Wir hatten gehofft, an einer strengkirchlichen Partei eineStütze für die Negierung zu gewinnen, die dem Kaisergibt, was des Kaisers ist, die die Achtung vor der Re-gierung auch da, wo man glaubt, daß die Regierungirrt, in allen Kreisen, namentlich in den Kreisen despolitisch weniger unterrichteten gemeinen Mannes, derMasse, zu erhalten sucht. Ich mußte mit Betrübnis undBefremden hören, daß die Wahlreden- die zum größtenTeil gedruckt sind, die Preßerzeugnisse, die auf die Wahlenhinwirkten, gerade an die Leidenschaft der unteren Klassen,der Masse, appellierten, um sie zu erregen gegen die Re-gierung; daß dagegen nichts geschah, um irgend ein vonseiten der Regierung vorgekommenes Versehen zu ent-schuldigen, sondern daß man alles, was man an unsererNegierung wie an jeder nach menschlicher Unvollkommenheittadeln kann, sehr scharf beleuchtete; aber etwas Gutesüber die preußische Regierung, etwas, was zur Aner-kennung derselben aufforderte, habe ich in diesen Wahl-reden nie gelesen. Nichtsdestoweniger mußte man nachdem Zeugnisse der Herren annehmen, daß die altpreußi-schen Einrichtungen — altpreußisch ist nicht die richtigeBezeichnung, sondern neupreußischen Einrichtungen — wiesie bestehen, von der katholischen Kirche als ihr willkommen,als ihr nützlich, als ihr eine ehrenvolle und bequemeStellung gewährend, anerkannt würden. Die höchsten Zeug-