10 Die Reichstagssession v. 16. Okt. bis 1. Dez. 1871.
Gebiets ist ja für Frankreich entschieden eine Last nach allenRichtungen hin, namentlich eine moralische, die politischeEntwickelung und Konsolidation der Zustände in Frank-reich hemmende. Für uns ist sie unter Umständen einenotwendige Last, die wir uns auflegen müssen, um dieErfüllung des Friedens zu sichern, aber immerhin —wenn auch eine mäßige — eine Last. Ich erinnere nuran die Interpellation*), die gestellt wurde über die Rück-kehr der Reserven, die mir nach dieser Richtung hin nichtganz erwünscht war; denn es ist nicht nützlich, denfremden Ländern, den Gegnern gegenüber dieeigenen Lasten, die die Kriegführung und diePfandnahme auferlegt, zu unterstreichen (Bravo!rechts); aber ich hoffe, meine Herren, um so mehr wirdder Herr Interpellant von gestern erfreut sein darüber,daß diese Last teilweise hat vermindert werden können.Die Beschaffung etwaiger finanzieller Bürgschaften lagder französischen Negierung ob, sie hat es versucht, zumTeil unter großen Kosten, sie zu beschaffen. Bankiershatten sich bereit finden lassen, annehmbare Bürgschaftenihrerseits für die Effektuierung der französischen Zahlungenbis zum 1. Mai, also für zusammen 650 Millionen Franks,zu geben für eine Provision, die mir auf Höhe von1 llo Prozent genannt wurde — ich weiß es nicht genau —,also etwa 10 Millionen Franks. Die französische Re-gierung wäre, wie ich glaube, bereit gewesen, dieses Opfer
*) Interpellation des Abg. Eugen Richter: In welchemUmfange wird für die Dauer der Okkupation französischer Gebiets-teile beabsichtigt, Reserven bei der Fahne zu behalten, beziehungs-weise: in welcher Weise sollen die daraus für die Dienstpflicht er-wachsenden Lasten ausgeglichen werden?