208 Die erste Session des deutschen Reichstages.
wird. Warum wir dieses Land, dessen Bewohner dochvollkommen ausgetragene Kinder sind (Heiterkeit), die ihreGeschäfte vollständig verstehen, warum wir dieses Landgewissermaßen unter eineReichsvormundschaft stellen wollen,das kann ich nicht verstehen.
Ich kann Ihnen nur sagen, meine Herren, ich würdees im höchsten Grade bedauern, wenn Sie bei diesem Amen-dement beharren würden; ich würde dann im Bundesratden Antrag stellen, der Vorlage eine neue Gestalt zugeben, bei welcher die persönliche Mitwirkung des Bundes-kanzlers ausgeschlossen ist. Es widerstrebt meinem per-sönlichen Ehrgefühl, unter dieser Kreditloserklärung indie mir zugedachte Stellung einzutreten. Es läßt sich jasehr leicht eine andere Einrichtung finden, Se. Majestätder Kaiser kann ja einen verantwortlichen Minister fürElsaß und Lothringen ernennen, der dies übernimmt; ichhabe als Bundeskanzler eigentlich dazu keinen notwendigenBeruf. Ich habe dazu mein Amt nicht übernommen, umdiese Verantwortung für die Diktatur in diesem großenund bedeutsamen Moment und in diesem Lande zu tragen,wenn sie mir nicht so übergeben wird, daß ich vor dasLand treten und sagen kann: ich komme mit dem vollenVertrauen des Reichs ausgerüstet. Hat man das Be-dürfnis, mir Kanteten gegenüberzustellen, als ob man be-fürchtet, ich könnte mit den Schätzen dieses Landes irgendwelchen Mißbrauch treiben, .... ich spreche von mir,denn so lange ich Kanzler bin, kann ohne meine Mit-wirkung nichts geschehen; die Sache ist gegen meine Persongerichtet, denn ich kann nach der Lage der Dinge in derFrage nicht majorisiert werden, ohne Zustimmung desKaisers ist kein Gesetz möglich. — Ich bin sehr gernebereit, jeden Dienst zu leisten, den das Land noch aus