II Frühjnhrssession des preußischen Landtags von 1870.
oft und lauge besprechen. Wir können unsere Schwierig-keiten dadurch überwinden, daß wir eine Gewohnheit ob-legen, die der Herr Vorredner vorher gerügt hat, nurdadurch, daß unsere parlamentarischen Körperschaften sichnicht zu lange bei einem und demselben Gegenstände auf-balten, daß mir an Reden weniger fruchtbar und dieReden weniger lang werden. Wir müssen mit derZeit dahin kommen; aber die Ueberzeugung, daß diesenUebelständen abgeholfen werden muß, kann nur durchdie Erfahrung zur Reife gebracht werden.
Daß die Lage formell eine schwierige ist für denReichstag und für uns, wenn wir gerade den 2. Maigenannt haben, gebe ich zu; wir mußten irgend einenTermin nennen, wir haben allerdings dabei auf ein wohl-wollendes Entgegenkommen beider Häuser des Landtagsgerechnet, wir haben darauf gerechnet, daß, wenn wiruns vielleicht um 5 oder 10 Tage verrechnen sollten,man uns nicht deswegen Schwierigkeiten machen werdemit der Auslegung eines Verfassnngsparagraphen, sonderndaß man in dieser Beziehung bereitwillig die Hand bietenwerde, denn die Negierung betreibt sa doch nicht zu ihremeigenen Vergnügen die Geschäfte mit dieser anhaltendenAusdauer, sondern deshalb, weil sie es im Interesse desLandes für unvermeidlich hält, und hofft, daß man dieSchwierigkeiten nicht dadurch vermehren werde, daß mansolche Interpretationsfrage anfwirft, die ich übrigenskeinen Augenblick ansiehe, im entgegengesetzten Sinne wiemein Freund von Kleist zu beantworten.
Eine Vertagung ohne Zustimmung der beiden Häuserdes Landtags kann nicht öfter, wie einmal, und nichtlänger, als auf den angegebenen Zeitraum stattfinden.In dieser Sitzungsperiode hat sie noch nicht'stattgefunden;