54 Der Abg. v. Bismarck-Schönhausen 1847—1862.
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Am 21. April 1849 brachten die Abgg. Rodbertus und Ge-nossen in der Zweiten Kammer den dringlichen Antrag ein, denKönig von Preußen um Annahme der deutschen Kaiserkrone undAnerkennung der von der Frankfurter Nationalversammlung vollen-deten Verfassung zu ersuchen. Die Dringlichkeit der Frage wurdemit 216 gegen 113 Stimmen anerkannt. Der MinisterpräsidentGraf Brandenburg befürwortete darauf die Ablehnung des An-trages, indem er unter andern: ausführte, daß die öffentliche Mei-nung, welche immer für die Annahme der Kaiserkrone ins Feldgeführt werde, kein sicherer Leitstern für die Thätigkeit eines um-sichtigen Staatsmannes sein könne. Der Abg. v. Bismarck-Schön-hausen stellte hierauf den Antrag, über den Antrag Rodbertus zureinfachen Tagesordnung überzugehen und begründete dies folgender-maßen :
Die Erklärung, welche wir soeben von dem HerrnMinisterpräsidenten erhalten haben, bestärkt mich um somehr in der Absicht, für den Antrag auf Tagesordnungzu stimmen. Es ist das vierte Mal seit unsrer zwei-monatlichen Sitzungszeit, daß uns zugemutet wird, unsreAnsichten und Gefühle über eine Frage auszudrücken,welche verfassungsmäßig unsrer unmittelbaren Entschei-dung und Beschlnßnahme für jetzt nicht unterliegt. Wirhaben das erste Mal in der Antwort auf die Thronredeüber die deutsche Frage Gelegenheit gehabt, unsre Mei-nung zu sagen. Nachher haben uns zwei Anträge desAbg. v. Vincke Veranlassung gegeben, nicht nur die An-sicht der Versammlung im ganzen, sondern auch die jedereinzelnen Fraktion in Anwesenheit des MinisteriumsSr. Majestät des Königs auszusprechen. Seitdem istmeines Erachtens nichts vorgefallen, was den Stand derDinge für uns änderte. Denn die rechtlosen Beschlüsse,mit welchen die National-Versammlung in Frankfurtihren Oktroyierungsgelüsten Nachdruck zu geben versuchte