. Zur Aushebung des Berliner Belagerungszustnndes. 49
dorn mehrere Tausend Berliner, die Unterzeichner dieserPetition um Nichtaushebung des Belagerungszustandes,welche ich mir erlaube, auf dm Tisch des Hauses uieder-zulegeu. Sie werden daraus ersehen, daß es eine un-richtige Angabe ist: „Das Volk von Berlin will dieAufhebung des Belagerungszustandes". Meine Herren!Der besitzende Teil des Berliner Volkes, der am meistenund am schnellsten unter Störungen von Verkehr undKredit leidet, ist in dieser Kammer, wie ich behaupte,gar nicht repräsentiert. Das haben die Berliner Wahlenzur ersten Kammer unwiderleglich bewiesen. Es istüberhaupt, meine Herren, sehr mißlich, sich so schlechthinauf den Willen, oder sogar, wie der Herr D'Ester,auf die Ahnungen und Gefühle des Volkes zu berufen.Wer von Ihnen, meine Herren, kennt die Ahnungenund Gefühle des Volkes.so genau, wer kann denn irgendeinen glaublichen Nachweis dafür beibringen, daß das,was er dafür ausgibt, wirklich der Gesamtwille despreußischen Volkes sei? Der einzige Beweis ist die Be-hauptung, es sei so, der ich die meinige, es sei nichtso, mit demselben Rechte entgegensetze. Geben wir unsdoch nicht Illusionen hin, als ob unsre Majoritätenoder Minoritäten in entsprechenden Bruchteilen denWillen des Volkes repräsentierten. Wir sind gewähltvon der Majorität der Wahlmänner und diese wiederumvon der Mehrheit der Urwähler. Wir alle repräsen-tieren also nur die Mehrheit einer Mehrheit, vielleichtetwas über ein Viertel der auf der Wahl wirklich er-schienenen Urwähler, und da kommen einzelne Fraktionender Versammlung und wollen uns ihre Ansichten undihren Willen als die Ansicht und den Willen des großenpreußischen Volkes unterschieben. Es ist kein Ausdruck