Druckschrift 
1 (1885) Der Abgeordnete von Bismarck-Schönhausen : 1847 - 1852
Entstehung
Seite
25
Einzelbild herunterladen
 

Zur Judenfrage.

25

l

Staat die Realisierung des Christentums bezweckt, wenner auch diesen Zweck nicht immer erreicht! Ich gehevon der Theorie der Frage. auf einige praktische Mo-mente über. In den Landesteilen, wo das Edikt vonl»l2 gilt (durch welches alle im damaligen Umfangedes preußischen Staates mit Generalprivilegien, Natura-lisationspatenten, Schutzbriefen und .Konzessionen ver-sehenen Juden für Inländer und preußische Staats-bürger erklärt wurden), fehlen den Juden, soviel ichmich erinnere, keine andern Rechte, als dasjenige, obrig-keitliche Aemter zu bekleiden. Dieses nehmen sie nunin Anspruch, sie verlangen, Landräte, Generale, Minister,ja unter Ilmständen auch Kultusminister zu werden.Ich gestehe ein, daß ich voller Vorurteile stecke, ich habe! sie, wie gesagt, mit der Muttermilch eingesogen, undes will mir nicht gelingen, sie wegzudisputieren; denn,wenn ich mir als Repräsentanten der geheiligten Majestätde§ Königs gegenüber einen Juden denke, dem ich ge-horchen soll, so muß ich bekennen, daß ich mich tiefniedergedrückt und gebeugt fühlen würde, daß mich die. Freudigkeit und das aufrechte Ehrgefühl verlassen wür-den, mit welchen ich jetzt meine Pflichten gegen denI Staat zu erfüllen bemüht bin. Ich teile diese Empfin-I' düng mit der Masse der niederen Schichten des Volkes-- und schäme mich dieser Gesellschaft nicht. Warum esden Jude» nicht gelungen ist, in vielen Jahrhundertensich die Sympathie der Bevölkerung in höherem Grade, zu verschaffen, das will ich nicht genau untersuche»; einP geehrter Redner aus der Grafschaft Mark hat die GrüudeE schärfer herausgestellt, als ich sie hier wiederholen möchte.P Nur eins ist mir nicht klar geworden, nämlich wie derI geehrte Redner diejenigen Leute, die er, wenn ich richtig