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2 (1890)
Entstehung
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3.

Nicht einstimmen kann ich aber in den Tadel, der über dieLebendigkeit, die Teilnahme, den sogenanntenTumult" aus-gesprochen worden; hier erblicke ich mir hoffnungsreiche Zeichen.

Wer einigermaßen mit der Stimmung unserer größeren Ver-sammlungen bekannt ist, sie erlebt hat, kennt zwar deren Ruhe,aber auch ihre Teilnahmlosigkeit, Fadheit, Langweiligkeit, Apathie.Wie schwer wird es in der Regel, Vortragende zu finden, vonRednern gar nicht zu sprechen. Wie monoton ist meist der Vor-trag, das Ablesen, wie uninteressant der Inhalt, wie teilnahmlossind die Zuhörer! Wie stach dagegen die Stimmung der am29. November abends 5 Uhr im Börsenlokale denkwürdigenAndenkens! Versammelten ab!

Ich wüßte auch in der That nicht, wie eine zahlreiche, fastzahllose, zusammengewürfelte, aus Mensche» aller Stände be-stehende Versammlung ihre Teilnahme und Erregtheit anders anden Tag legen soll, als es dort geschah! Vergißt man des Um-standes nicht, daß nichts vorbereitet, nichts verabredet war, so istnicht nur alles entschuldigt, sondern alles deutet vielmehr aufeine hoffnungsreiche Zukunft. Nicht der Verstand, die Reflexion,die Absicht regierte die Versammelten, Redner wie Angeredete,sondern das Gemüt. In dein Gemüt aber wurzelt das Leben.Das Herz macht beredt, erregt den Kopf und giebt ihm dieedelsten Gedanken ein.

Tacitus erzählt von den alten Germanen, daß sie ihreBeratungen beim Mahle und unter Becherklang be-gannen, am andern Tage aber in voller Ruhe ihre B eschl ü s s efaßten.

Dieses Prognostikon stelle ich auch dem Berliner Lokalvereindes Jahres 1844. Wie in seiner ersten, anregenden, zur Sacheanregenden Versammlung die Empfindung herrschte, so wird inseiner zweiteil der Verstand das Regiment führe», und besonneneRuhe und die der Wichtigkeit der Sache angemessene Würde wirdnicht vermißt werden*. Beides im Verein bezeichnete von jeher

* Eine Kleinigkeit, aber eine bezeichnende, will ich in dieser Note an-

deuten :