Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
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andern Bestimmtheiten und Spezialitäten entblößtes Wesen. Viel-mehr treffen wir deren in jedem bestimmten Dasein mancherlei.Es gehört zu unserer Aufgabe, diese Charaktere namhaft zumachen. Durch sie spezialisiert und individualisiert sich das all-gemeine Gattungsbewußtsein.

Das nächste nach ihm, in untergeordnetem Kreise liegend,das zweite nach dem ersten der Dignität, nicht der zeitlichenEntwickelung nach, ist das Volks- oder Nationalbewußtsein, dasGefühl, einer bestimmten Nation anzugehören, deren Eigentüm-lichkeit, deren Naturell rc. an sich zu tragen, zu den Gliederndesselben Stammes oder Volkes sich besonders hingezogen zufühlen, und das Bewußtsein darüber. Erst das Gefühl, diereale Wirklichkeit oder der substanzielle Besitz, dann die klareErkenntnis davon und darüber.

Beide Arten oder Seiten des Gefühls und Bewußtseinsschließen einander nicht aus, sondern ein. Zn dein allgemeinsten,dem Menschheitsbewnßtsein, muß sich das Nationalbewußtseinhinzufinden, es zn einer konkreten Gestalt machen. In dem aufden britischen Inseln Geborenen und Erzogenen suchen wir nichtbloß den Menschen, sondern den Engländer, und wir erwarten,wenn uns ein Bewohner der nordamerikanischen Staaten vor-gestellt wird, einen freien Bürger kennen zu lernen. Das Christen-tum verschmäht es keineswegs, in die nationalen Eigentümlich-keiten einzugehen; es nimmt die Farbe des Landes an, in der eskultiviert wird. Zu dein Allgemeinen und Gleichen in allen, diecs besitzen, kommt das Besondere hinzu, und so gestaltet es sichin ebenso vielen Verschiedenheiten, als Nationen und Sprachenans dem Globus existieren. Der Spanier hat das Christentumin einer anderen Weise als der Isländer; aber trotz dieser unter-geordneten Verschiedenheit fühlen sie sich als Bekenner derselbenReligion, und die Verschiedenheiten des deutschen Protestantenund des Bekenners der englischen Kirche hindern es nicht, daßsie sich in dem Bistum Jerusalem als die Glieder einer evange-lischen Kirche anerkennen.

Die Nationalität ist nicht die Grenze des bestimmten Daseinsund Bewußtseins. Es erhält erst die bestimmteste Ausprägung