Druckschrift 
1 (1890)
Entstehung
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geachtet der Freiheit und Leichtigkeit seiner Bewegung, nichts Zu-fälliges, blind Angenommenes, Unüberlegtes; alles war durch-dacht, allseitig geprüft und untersucht, das Einzelne paßte zu demGanzen, in allem war er selbst, der ausgeprägte, vollendeteMensch. Gehalt und Form, Gedanke und Darstellung desselben,Sache und Methode bildeten ein vollendetes Ganze, ein erhabenesKunstwerk. Andere mögen seinen Lehrinhalt prüfen und dar-stellen, wir Methodiker wollen und dürfen uns mit der Formoder der Methode beschäftigen, in welcher der tiefe Gehalt er-schien. Wohl mag es an der Zeit sein, an die Reform derUniversitäten im Ernste zu denken. Die Zeit verlangt es. Nachmeinem Ermessen darf dabei die Untersuchung, ob die Form derVorträge der Professoren, die Methode derselben, dem Zwecke derUniversitätsbildung entspricht, obgleich bei keinem der Vorschlägezur Reform, von denen ich Kunde erhalten, davon die Rede ge-wesen, und ob die hergebrachte Methode jetzt noch genügt, nichtals überflüssig erscheinen. Für wichtiger halte ich diese Rücksicht,als die Reform im Äußeren, als Landsmannschaft und Burschen-schaft oder Nicht-Landsmannschast und Nicht-Burschenschaft. DasInnere ist überall wichtiger als das Äußere. Halten wir es darumnicht für Zeitverlust, unsre Aufmerksamkeit einige Augenblicke bei derMethodeSchleiermachers verweilen zu lassen. Von ihr könnennicht bloß Universitäts-, sondern auch wir Schullehrer etwas lernen.

Die Methode der Universitätslehrer ist die Vortragende oderacroamatische. Der Lehrer spricht, die Schüler hören zu. Natürlichkann dieser Vortrag in mannigfaltiger Weise geschehen. Es gibtProfessoren, welche alles, was sie mitteilen wollen, vorher nieder-geschrieben haben, sie lesen. Diese Manier ist so weit verbreitetoder verbreitet gewesen, daß man das Dozieren der Professorenüberhaupt lesen nennt. Man besucht die Vorlesungen, auchwenn gar nicht darin gelesen wird, undder Professor liest oderliest nicht", heißt es von jedem Vortrage oder jeder Unterbrechungdesselben. Manche lesen nach Kompendien, andere nach Hefteil,einige diktieren sogar (Iiorrsuclmiu äiotu) die Weisheit, anderehalten freie Vorträge. Diese unterscheideil sich wesentlich darinvoneinander, je nachdem der Gegenstand, was freilich zum Teilvon seiner Natur abhängt, entweder vor den Zuhörern entwickelt,