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Pieper; s. u. Pieper. 2) So v. w. Feldlerche,s. u. Lerche.
Brachmann, Caroline Luise, deutsche Dich-terin, geb. 9. Februar 1777 zu Rochlitz an derMulde, Tochter eines geistig u. sittlich ausgezeich-neten Ehepaares; verlebte in Rochlitz, Döbeln, Köl-leda, Wcißenfels eine glückliche Kindheit u. Jugend.In Weißenfels wurde sie mit Novalis bekannt;er regte sie zum Dichten an, theilte ihre VersucheSchiller mit; es folgten schöne Tage in Weimarund Jena. Sie zählte 23 Jahre, als die Tragö-die ihres Lebens begann. In einem Anfalle derVerzweiflung stürzte sie sich von einem 2 Stockhohen Gange in den Hof hinab, wurde aber ge-rettet. Nun raubte ihr der Tod schnell nach ein-ander den Dichter des Ofterdingen, dessen Schwe-ster Sidonie, ihre eigene Schwester Amalie, ihreEltern. Zur Herzcnsverwaisnng kam die Armuth;sie mußte um das liebe Brod schreiben. Die in-fernale Größe Napoleons gab ihr einen wider-lichen Enthusiasmus ein, n. ihr Herz entbranntevon unglücklicher Leidenschaft für einen verhcirathe-ten jungen Wundarzt der französischen Armee.Sie verzweifelte dann über den Tod eines fran-zösischen Offiziers in der Leipziger Schlacht, weihteden Lazarethcn in Wcißenfels ihre Thätigkeit,wurde von einem heftigen Nervenfieber ergriffen,genas, trug sich aber mit dem Gedanken, wieOttilie in Len Wahlverwandtschaften zu enden.Es kamen wieder glückliche Tage in Dresden, aufeiner Reise nach Berlin, bei der Dichterin Bene-Lictine Nanbert, geb. Hebestreit, in Naumburg.Da verblendete sie das licbebedürftigc Herz, im43. Jahre sich mit einem 20 Jahre jüngerenpreußischen Offizier, der nach Weißenfels kam, zuverloben. Die grillenhafte Prüfung seiner Liebehatte eine verletzende Erwiderung des Abwesendenzur Folge; sie wollte das zerrissene Band auf keineWeise wieder anznknüpsen suchen. Anfang Sept.1822 kam sie nach Halle in bedenklichem Gemüths-znstandc. Am 24. abends wurde ihr zerstörterLeichnam in der Saale gefunden. F. A. Pischon(Denkmäler der deutschen Sprache von den frühe-sten Zeiten bis jetzt, 5. Th. S. 655) rechnet siezn unseren zartesten u. innigsten Dichterinnen, u.die Auswahl, die er aus ihren Gesängen bietet,rechtfertigt sein Urtheil. In diesen Gesängen sprichtein großes, mächtiges, sturmbewegtes u. doch weib-lich-mildes Herz, u. die Form ist, wenn sie nichtschulmeisterlich bemäkelt wird, sein würdiger Aus-druck. Auserlesene Dichtungen von Luise B., her-ausg. von Schütz n. Methusalem Müller, nebsteinem Aussatze über das Leben n. die Werke derDichterin, von Schütz, und Vorerinnerungen undBeiträgen zu ihrem Leben, von Caroline v. Pichleru. Panse, 6 Bde., Halle 1824—26.
Brachmonat, deutscher Name des MonatsJunius (s. u. Brache 1); daher Brachschein(Iflovilunium llniüi), der Neumond im MonatJunius.
Brachpieper, Vogel, s. Pieper.
Brachrübe (Stoppelrübe, Wasserrübe, Tnrnips)ist Lrassloa rapa, welche diese verschiedenen Be-nennungen nach ihrem Anbau erhält. Besondersin England wird dieselbe Ende Juni, AnfangJuli in die gedüngte u. mehrmals gepflügte Brache
— Brachvogel.
gesäet, in Deutschland als Stoppelrübe mehr nachAberntung des Roggens oder der Wintergerste,Ende Juli, Anfang August in die Stoppeln, nach-dem dieselben umgebrochen sind. Sie liefert eingutes Futter für Rindvieh u. Schafe, wird aberauch von Menschen genossen. Als B. liefert sieeinen Ertrag von 30—60,000 ÜA per lla, alsStoppelrübe um die Hälfte weniger. Über ihrenAnbau, Nährwerth rc. s. u. Tnrnips. Rhode.
Brachschnepfe, s. Brachvogel.
Brachse, Fisch, s. Brasse.
Brachstelze, Vogel, s. Pieper.
Brachvogel. (Brachschnepfe, lllumenius D.),Vogelgattung aus der Familie der Schnepfenvögel,Ordnung der Sumpfvögel; Körper schlank, schöngebaut, mit langem Halse, kleinem Kopfe, langem,hornigem, bogig abwärts gekrümmtem Schnabel,dessen Spitze hornig ist; die hohen Beine sindWatbeine, d. h. weit über die Ferse hinaus nackt;die Zehen sind ganz geheftet, d. h. die 3 Vorder-zehen an ihrem Grunde durch eine kurze Spann-haut verbunden. Dahin der große Brachvogel(Bracher, Brachhuhn, Brachschnepfe, Doppel-schnepfe, Feldmöcher, Feldschnepfe, Geisvogel,Gewittervogcl, Himmelsgeis, Kronschnepfe, Keil-hacken, Regenvogel, Tlltewelle, Windvogel, N.areuata 7).), 70 — 75 om lang; Oberkopf auslehmgelblichem Grunde gleichmäßig lerchenfleckig;Befiederung des Unterschnäbels bis unter dieNasenlöcherbasis reichend; Weichen weiß, mit we-nigen dunkelbraunen Schaftstrichen, Schwanz weiß,mit scharf begrenzten, auf den Mittelfedern ver-loschenen schwarzen Querbinden, sonst braun mitrostgelben Federrändcrn; lebt in NEuropa alsBrütvogcl, in der Brutzeit paarweise, schaart sichim Frühling u. Spätherbste zusammen u. hält sichan offenen, namentlich sandigen Orten; sehr scheu;brütet in Heiden u. trockenen Mooren in der Nähevon Sümpfen, am Seestrande, in Dllnenthälern;Eier birnförmig, auf olivengrüncm Grunde gefleckt;nährt sich von Regenwürmern, Jnsecten, Schnecken,seltener von Beeren; überwintert im fernen Süden;gehört zur niederen Jagd. Der Regenbrach-vogel (I§. püasobus ^.), krähengroß; nistet inhochnördlichen Gegenden, in Grönland, Island,den Färöer u. Sibirien, zieht aber im Winter zumfernen Süden u. wird dann sogar auf den austra-lischen Inseln gefunden; in Deutschland sehr selten.
Thoms.
Brachvogel, Albert Emil, deutscher Dra-matiker u. Romanschriftsteller, geb. 29. April 1824in Breslau; sollte Kupferstecher werden, hatte in-deß eine große Neigung zum Theater, kam aber nacheinem mißlungenen Versuche auf der Bühne znWiendavon zurück u. 'besuchte philosophische, literarischeund geschichtliche Collegien an der Universität inBreslau; er ging 1847 nach Berlin, um sein Drama,Jean Fevart, zur Aufführung zu bringen; dasStück fand jedoch keinen Anklang. B. zog sichdarauf in Schlesien auf ein kleines Dorf zurück,wo er noch mehrere dramatische Stücke schrieb,ohne mehr Glück mit diesen zu haben, als mit demersten. 1853 kehrte er nach Berlin zurück u. wurdeSecretär des Krollschen Theaters. Hier schrieb erdas Trauerspiel Narciß, Lpz. 1857, welchesMärz 1856 auf der kgl. Bühne zur Aufführung