Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
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IN NN sie findet. Uns ist neulich hier der erhabene sittlicheGehalt des Mosaismns, namentlich in seinein Dekalog, vor dieAllgen geführt, und mit Recht darf der Verfasser des 5. BuchsMosis, indem er sein Volk mit den andern Völkern der Erdevergleicht, sprechen:Wo ist so ein herrliches Volk, das so ge-rechte Sitten und Gebote habe, als alles dies Gesetz?" EinLebcnsodem beginnender Humanität durchzieht in der That dasganze Gesetz. Wir wurden aber auch an das erinnert, was indemselben noch mangelhaft ist. Anderes übergehend mache ichmir ans einzelnes, das wahrer Humanität widerstrebt, auf-merksam. Die Schätzung des Menschen wird vielfach noch vonzufälligen und äußeren Unterschieden abhängig gemacht. Sokommt in den Satzungen über Ehe und Ehescheidung die Würdeder Frau, als der ebenbürtigen Gehülfin des Mannes, keineswegszur Anerkennung und Geltung. So hat nach den Gesetzen überden Mord der Sklave, und wenn er noch so trefflich wäre, demschlechtesten Freieil gegenüber einen fast ganz verschwindendenWert. Das Zeremonialgesetz selbst, dessen pädagogische Not-wendigkeit für das Volk auf seinem damaligeil Standpunkt ichgern anerkenne, giebt doch eben ein Zeugnis von diesem niederensittlichen Standpunkt. Dies Zeremonialgesetz erweckte nur zuleicht die Meinung: Wir, als das erwählte Volk, habeil an sichalle Vorzüge vor Gott, welche die übrigen Völker entbehren.Durch das Zeremonialgesetz bildete sich so leicht das, was Paulusdie Decke Mosis nennt, welche, das geistige Auge verhüllend,eineil vorurteilsfreien Blick für den Wert anderer Volks- undReligionsgenossen unmöglich machte. Daher ergeht selbst an denNathan die Strafrede, die er auch nicht abweist:

Kennt ihr auch das Volk,

Das diese Menschenmäkelei zuerstGetrieben?"

Ist nicht auch in diesem Punkte das Christentum wirklich dieErlösung? Was anders hatte es für eine Bedeutung, däß derStifter desselben stets mit einem besondereil Accent sich denMenschensohn, den Sohn der Menschheit, nennt? Gewiß dochnur die, daß er in sich herausgebildet hatte, was von Gott in