Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
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Fragen, und zu deren richtiger Beantwortung kann die Rede desHerrn Platz und durch ihn der Nathan Lessings sehr vielbeitragen. *

3. Prediger Platz überNathan den Weisen".

Wenn ich Ihnen die religiös-sittlichen Grundsätze im Nathandarlege, so werde ich in der Anführung von Stellen nicht zuausführlich zu sein brauchen, da Ihnen ja dies Werk selbst wohlrecht gründlich bekannt ist. Der erste und hauptsächlichste Grund-satz, indem er mittelbar schon die folgenden in sich schließt, istder der Toleranz, der religiösen Duldung im aus-gedehntesten Sinne des Wortes. Es liegt darin, daß,wie wir selbst das Recht in Anspruch nehmen, aus unserer Über-zeugung und nach unserem Gewissen unsere Glaubensweise zubestimmen und unser Leben im Verhältnis zur Gottheit zu ge-stalten, daß wir dies Recht auch in vollstem Maße allen Neben-menschen zugestehen, daß wir es für einen der größten Frevelder Gottlosigkeit halten, mit irgend welcher Gewalt und irgend

* Wie lehrt Lessing? Alle bestehende innere Ungleichheit unter denMenschen ist sowohl in der Natur der Dinge, als in den weltgeschichtlichenVerhältnissen gegründet; alle aber sind nichtsdestoweniger nur aus ver-schiedenen Stationen zu einem und demselben Ziele begriffen. Folglich sind,nicht wegen der Gleichheit, sondern ungeachtet der bestehenden Ungleich-heit alle Menschen Brüder. Dieser Satz, als Resultat einer speku-lativen Naturbetrachtung, führt zur reinsten Liebe, zur Duldung undGeduld. Die, welche wir hinter uns oder neben uns erblicken, sind, nachdem Plane von LessingsErziehung des Menschengeschlechts", unsereschwächeren Mitschüler". Diese religiöse Idee, unter der Form derHumanität ist, von jedermann herausgeahnt, das begeisternde PrinzipinNathan der Weise". Richtig gefaßt, kann man sagen:die ReligionNathans ist das Christentum der Vernunft als Humanität, vermögederen die Bekenner aller positiven Religionen sich als Menschen, als Brüderbegrüßen." Niemeyer.

Fortbildung des Christentums zur Humanitätsreligiondarauf sind alle edleren Bestrebungen unserer Zeit gerichtet." Or. DavidStrauß. Selbst Beyschlag, Prof, der Theologie in Halle, bekennt, derNathan drücke das eigentliche religiöse Bekenntnis der großen Mehrzahl derGebildeten der heutigen Zeit aus.

Beyschlag, Lessings Nathan der Weise.