Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
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21) Bluntschli:Ihren glänzendsten Triumph hat diereligiöse Humanität Lessings in dem herrlichen Drama: Nathander Weise, gefeiert. Gegenwärtig giebt es keinen bedeutendenOrt in Deutschland mehr, wo Lessing gehindert würde, dieKanzel der Bühne zu besteigen und in dem Nathan, zum Ärgeraller Zeloten, seine prächtige Predigt gegen die religiöse Eitel-keit und Selbstgefälligkeit und gegen den kirchlichen Verketzerungs-eifer vor allem Volk zu halten."

22) Lang:Lessings Nathan dieses Evangelium derHumanität* und der Liebe, das Evangelium Jesu Christi selbernach derjenigen Seite, nach welcher es bisher am wenigsten ge-kannt und geübt wurde."Die Streitenden sollen nie ver-gessen, daß ihre erste und letzte Bestimmung ist, Menschen zusein, das allen gemeinsame, rein menschliche, das zugleichdas wahrhaft Göttliche ist, in reiner Sittlichkeit undselbstverleugnender, aufopfernder Liebe auszubilden und zu ent-wickeln."

23) Dietrich:Wenn jetzt ein Lessing lebte und schrieb,so würde ich nicht sagen, daß solche Schriften auf die Schulegehörten. Sie würden sich an ein reiferes Publikum richten.Nachdem aber Lessings Werke hundert Jahre lang in unseremVolke gewirkt, nachdem Lessings Gedanken mit in Fleisch undBlut wenigstens der Gebildeten in demselben übergegangen sind,

* Das Christentum der Humanität ist die Religion des deutschenVolkes die Religion, wie sie der germanische Geist mit seinem Blutebesiegelt hat. Nicht einen exklusiven, konfessionellen Religionsunterricht solldie Schule geben, der an der Stelle der christlichen Liebe oftmals Haß säetund die deutsche Nation sogleich bei seinem Auftreten in zwei sich be-kämpfende Parteien scheidet, sondern einen Religionsunterricht, der Christum,die persönlich erscheinende Liebe verkündet, fern von trennenden theo-logischen Lehren" re. Schulrat I)r. K. Schmidt.

Die orthodoxe Kirchlichkeit ist heutiges Tages nicht nötig zur sitt-lichen Gesundheit."

Findet man ein größeres Quantum niedriger und rechtloser Ge-sinnung bei den ehrlich Nichtorthodoxen, die man ausschließen möchte, oderbei den äußerlich Kirchlichen, die sich durch eine inhaltslose Lüge der Aus-schließung entziehen?" v. Sybel, kleine histor. Schriften.