Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
Seite
75
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die Kinder lernen? Sie sollen biblische Geschichten frei erzählenlerne»; ihrer 80150 sind in den gewöhnlichen biblischen Ge-schichtsbüchern enthalten; in dein von den Regulativen em-pfohlenen Werke von Zahn ihrer, wenn ich nicht irre, 170.Diese Geschichten soll jedes Kind in der Bibelsprache nachder lutherischen Übersetzling frei erzählen können. Der HerrMinister hat in dem mehrfach angeführten Erlaß das Aus-wendiglernen dieser biblischen Geschichten direkt verboten,indem er erklärt, das seiVerführung" zum Bösen. Sehrrichtig, und jeder erfahrene Pädagoge wird das zugeben; aberleider ist das andere Gebot stehen geblieben. Was sollen dieKinder nun machen? Es wird von ihnen verlangt, daß sie dieGeschichten frei erzählen »ach dem Bibelwort; was bleibtden armen Schafen da übrig? Sie lernen sie eben aus-wendig, auch dann, wenn man es ihnen bei Strafe zehnmalverbietet. Sie sollen sie nicht answendig lernen, denn das seiVerführung zur Sünde, aber sie können eben nicht anders; esbleibt daher dabei, sie lernen sie auswendig. Nun kommendie Sprüche. Der Herr Minister hat sie reduziert auf 180.Dieses Blaß ist nicht zu hoch, eher das Gegenteil auch ichlege Wert auf Erlernung von schönen Sprüchen aber warumgerade 180, warum nicht 280, warum nicht 380, oder warumnicht 80? Das Schulkollegium in Koblenz hat ihre Zahl ans150 normiert. Ja, meine Herren, wo kein Prinzip entscheidet,da entsteht der Zwiespalt, die Unzufriedenheit, das Zer-würfnis. Warum 180? fragt man mit Recht. Kein Menschkann sichere, grundsatzmäßige Antwort darauf geben. Dem HerrnMinister scheint es so zweckmäßig; aber einem andern scheint csnicht zweckmäßig, er meint, 280 oder eine andere Zahl genügebesser. Der eine ist hier so berechtigt oder so unberechtigt wieder andere. Solche Spezialitäten sind Fehler; darauf darfsich ein allgemeines Reglement nicht einlassen; sie gehören nichthinein, sie erzeugen sofort Unmut und Zwietracht. Gleich hierwill ich eine Bemerkung einschieben, in der Frage: ist es wohldenkbar, daß ein spezieller Lehrplan passend sein könne füralle preußischen Volksschulen von Tilsit bis nach Saarbrücken;