V.
Die deutsche Nationnlerziehung.
Der im Jahre 1848 znm Bewußtsein hiuaufgeförderte Ge-danke einer deutschen Nationalschule ist uns in dem Dezenniumtraurigster Reaktion nicht nur nicht abhanden gekommen, sondernverstärkt worden. Wir dürfen uns das Zeugnis ausstellen, daßwir die ausschließende Konfessionsschule, welche, sie mag es wollenoder nicht (nur zu häufig wollen es — wenn auch nur in ge-heimgehaltenen Gedanken — die, die sie fordern), durch die prin-zipielle Absonderung Zwietracht und Haß, Hochmut und Feind-seligkeit erzeugt, nach Kräften bekämpft habe». Unerwartet,wenn auch nicht unverhofft hat uns das Jahr 1859 einenmächtigen Alliierten zugeführt: die im deutschen Volke wieder er-wachte Idee der Nationalität, das tiefgefühlte Bedürfnis nachEinheit und Einigkeit! Gottlob! sagen wir. Wie soll aber —sagt es uns, ihr Guten! — innere Einheit und Einigkeit, d. h.wahre und starke Einheit und Eintracht entstehen durch Abson-derung und geheime Zwietracht? — „Jeder in seiner Weise!"
Die Staatsmänner werden und mögen, so Gott will, dieäußere Einheit Herstellen; wir Pädagogen arbeiten für dieinnere — praktisch durch das Streben nach gemeinsameröffentlicher Erziehung aller Kinder des Volkes.Ein grauenhafter Gedanke das — für Ultramontane, und nichtfür diese allein, sondern auch für (sogen, protestantische) forciert-altlutherische Konfessionalisten und alle Gegner unierender Gemein-samkeit. Diese eine Thatsache ist lehrreich für alle diejenigen