Druckschrift 
4 (1891)
Entstehung
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Menschennaturen dasteht; um einen Mann, der alle, die für großeErscheinungen Sinn haben, jung und alt, Knabe, Jüngling, Mannund Greis, Frau und Jungfrau, für die höchsten Güter desLebens, für alles, was groß und erhaben heißt, zu begeistern be-fähigt ist; um eiueu Manu, den die ganze deutsche Nation wiekeinen zweiten im Herzeil trägt, und dessen Name von allen kulti-vierteil Völkeru der Welt mit Bewunderung und Ehrfurcht ge-nannt wird wer muß geuannt werden, wenn mau eiueuNamen sucht, dessen Inhaber alle diese und andere hohen Eigen-schaften lind Herrlichkeiten in sich vereinigt, wer anders als

Schiller!

Friedrich Schiller!

(meinetwegen) Friedrich von Schiller!

Das sonst so verführerische Wörtchen konnte ihm nichtschadeil; er blieb, obgleich von Fürsten mit ihrer Freundschaftbeehrt", seinem Ursprünge treu: dem Volke.WelcherDeutsche"diesen Namen ohne Hochgefühl, ohne Bewunderung und Ver-ehrung aussprecheu kann, der nenne sich keinen Deutschen; wersich nieinals, weder als Jüngling noch als Mann, von seinenGedanken gehoben, von seinen Meisterwerkeil ergriffen und ver-edelt fühlte, der zählt nicht mit zur Menschheit; wer daher bisdahin seinen Hunger und Durst nach edler Geistesnahruug undbelebender Erfrischung nicht au den Reichtümeru und Schätzeil,die er in reichster Mannigfaltigkeit darbietet, stillte, der eile nach-zuholen, was er zu seinem Schaden bis dahin versäumt hat!Ein Schaden dieser Art ist schwer zu reparieren.

Denke man sich, um zu ermessen, was wir an ihm besessenund besitzen, das, was Schiller geschaffen und der Nation ge-leistet hat, ausgestrichen aus der Kulturgeschichte des verflossenenJahrhunderts welche Lücke! Erwäge man, was er tausendlind aber tausend Menschen geworden ist, noch ist und hoffentlichin alle Zukunft werden wird und man wird inne, was wirdiesem einen Manne zu verdankeil haben, und das Gefühl desStolzes, daß er einer der unsrigen ist, die edle, veredelnde undsüße Empfindung der Bewunderung und der Verehrung wirdnicht fern sein.