IV.
1759 !
Als Deutscher das Jahr 1859 erleben und — nicht anSchiller denken, ist unmöglich. 1859 ist das erste Säkularjahrseiner Geburt.
Das Denken an Schiller führt zum Sprechen über ihn.Aber da fühlt man, wenn man auch nur dem gewöhnlichenHörer oder Leser genügen will, die Schwierigkeit. Auch der, dersich im Besitz des ganzen Reichtums der Sprache wüßte, würdeseine Armut empfinden.
Und was gilt es hier?
Um einen Alaun, der unter den Größen der Wissenschaftund Kunst in der vordersten Reihe zu finden ist, da er in Wissen-schaft und Kunst die genialsten Produkte zutage förderte; umeinen Alaun, der als Dichter von keinem derer, die der vater-ländische Boden erzeugt hat und in deutscher Zunge gesungenhaben, übertroffen worden ist; um einen Mann, der den Glanzund die Pracht seiner Muttersprache in einer Weise zu hand-haben und darzustellen verstand, wie keiner vor und bis heutenach ihm; um einen Mann, der die höchsten Eigenschaften desDeutschen: Gemütstiefe, Idealität, Streben nach allein menschlichGroßen und Erhabenen in sich zur Vollendung gebracht hatte;um einen Mann, der sein ganzes Leben hindurch den Kampf fürGeistesfreiheit und Ausbreitung der Humanität über den ganzenErdkreis kämpfte; um einen Mann, der in dem Fleiß und inder Beharrlichkeit seines Strebens, wie in der Reinheit seinessittlichen Charakters als Vorbild aller strebenden und edlen