Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
Seite
339
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war, doch nicht ihre vermeintliche Wissenschaft als Lug und Trugdarstellten, sondern zuversichtlich behaupteten, namentlich in denletzten Jahrhunderten, als die Sache ansing brüchig zu werden:ja, die Sterne zeigen in Wahrheit das Schicksal der Menschen,aber das Gebet der Frommen, besonders heiliger Männer, ver-mag, was die Sterne verkünden, etwas zu verändern, zu paraly-sieren, und nachher machten sie noch einen andern Kunstgriff, in-dem sie behaupteten, das alles sei wahr und richtig, aber derböse Geist, den die Perser Ahriman, den wir Teufel nennen,der Fürst der Finsternis, hätte die Macht, sich manchmal einerSeele zu bemächtigen und dadurch das ihr bestimmte Schicksalzu verändern. So waren sie nicht zu widerlegen, sie hatten immerrecht. Traf die Prophezeiung ein, so war das ein Beweis fürdie Richtigkeit, traf sie nicht ein, so hatte ein Mensch oder einTeufel das Ding verändert.

Die Sache ist nun in unfern Zeiten verschwunden; wir be-trachten sie nur noch aus dem Gesichtspunkt der Geschichte, siehat nur noch ein geschichtliches Interesse, gehört aber offenbarin die Geschichte der Verirrungen der Menschheit und beweistuns, daß ein System, dein irgend ein Funke von Wahrheit bei-wohnt, das in seinem Ursprung aus irgend einer richtigen An-schauung entstanden ist, nach und nach so verwirrt und verkehrtwerden kann, daß man nicht begreift, wie es möglich ist, daß dergesunde Menschenverstand so verblendet sein kann, das alles fürWahrheit zu halten. Wir leben in der glücklichen Zeit, wo wiran diese astrologischen Dinge nicht mehr glauben. Den erstenTodesstoß, den die Sache bekam, hat ihr Kopernikus bei-gebracht. Die Erde ist nicht der Mittelpunkt des Weltalls,sondern nur ein Stern, der sich im Weltall fortbewegt, wie dieübrigen Planeten, und daher mußte ein konsequenter halbver-nünftiger Mann den Schluß machen: wie Jupiter, Saturn,Mars und Venus das Schicksal des einzelnen auf der Erde be-stimmen, so müßte auch die Erde auf das Schicksal der Jupiter-und Marsbewohner influieren. Damit fing der Glaube an, sichzu verlieren. Den zweiten Todesstoß versetzte ihm Galilei,der noch gleichzeitig mit Kepler lebte, und mit dem die Wissen-