Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
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die Beschränkung der bürgerlichen oder sozialen Freiheit notwendigentweder die Bevorrechtnng einer Klasse der Staatsbürger oderdie Usurpation des Staats an Thätigkeiten, die dem einzelnenBürger überlassen werden sollten, erheischt; in jedem dieser Fälleexistiert keine politische Freiheit.

Das dritte ist noch leichter zu begreifen.

Die politische Unfreiheit kann weder die religiöse noch diebürgerliche dulden. Denn der religiös- d. h. im tiefsten Grundefreie Mensch trägt seine Freiheit auf alle andern Gebiete über,die Hauptsache bleibt daher überall die religiöse Freiheit und,wenn es sein mnß, die religiöse Befreiung.

Es existiert demnach keine Art von Freiheit für sich. EineBeschränkung der Freiheit in irgend einer Beziehung zieht mitNotwendigkeit die Beschränkung jeder Art von Freiheit herbei.Es existiert entweder die ganze Freiheit, oder gar keine.

Also verhält es sich nicht nur mit dem Menschen als Bürger,sondern auch mit dem Menschen für sich. Wer sich in einerBeziehung einengen, durch Autoritäten bestimmen läßt, ist inkeiner Beziehung frei. Alan ist entweder ganz frei, oder unfrei.Voir dem in einer Beziehung Unfreien steht zu erwarten, daß erauch in jeder andern zur Abhängigkeit bewogen, in der Un-mündigkeit erhalten werden könne. Die Empfindungen, Gefühle,Meinungen, Ansichten, Überzeugungen, Gedanken stehen nicht isoliertfür sich da, sondern sie beziehen sich aufeinander, wirken auf-einander ein, trüben oder verklären einander. Der Geist ist demWasser zu vergleichen; die kleinste Beimischung fremder Stoffeverunreinigt das Wasser; reines Wasser ist nur das ganz reine.

Daraus folgt noch, daß derjenige, welcher die Entwickelungder Freiheit in einer Beziehung fördert, sie überhaupt fördert;wie derjenige, der sie in einer Hinsicht hemmt, sie in jeder Hin-sicht hemmt. Man ist nicht halb frei und halb Sklave; derhalbe Sklave ist ein ganzer, der halbe Freie überhaupt einUnfreier.

Daruin fordern wir Entwickelungsfreiheit nicht in einer Be-ziehung, sondern in allen.

Wie die Halbheit überhaupt nichts taugt, so taugt auch diehalbe Freiheit nichts.