Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
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dort Autorität, hier Freiheit;dort äußerliches Formeuweseu, hier Innerlichkeit;dort Staatsmenscheu, hier freie Burger;dort alles von oben nach unten, hier von unten nach oben;dort Übergang von einem Extrem zum andern, hier ruhige,gesetzliche Entwickelung;

dort Despotismus, hier Evolution.

Das Verzeichnis dieser Gegensätze könnte noch lange fort-gesetzt werden. Sie sind Folgen der verschiedenen, die beidenVölker beherrschenden Lebensprinzipien. Der Franzose ist Staats-mensch durch und durch, er geht im Staate auf, er erwartetalles von der Staatsform und Staatsgewalt, daher ist er so be-gierig, dieselbe zu ändern, wenn sie nicht nach seinem Geschmackeist; aber trotz all dieser Veränderungen kommt er aus dem Ab-solutismus nicht heraus, gelangt er nicht zu freien Gemeinde-Verfassungen und zur Selbstregierung im Kleinen, dieser Basisaller bürgerlichen und staatlichen Freiheit.

Von dem Einfluß beider Prinzipien ans das häusliche undsittliche Verhältnis haben wir nicht geredet, es ließe sich leicht einelange Litanei von Gegensätzen aufstellen, z. B.dort Unhäuslichkeit, hier stilles Familienleben;dort bürgerliche Ehen, hier Heiligkeit der Ehe;dort Leichtsinn, hier Ernst;dort Frivolität, hier Gewissenhaftigkeit;dort Schwatzsucht, hier Bedächtigkeit und Schweigsamkeit;dort Oberflächlichkeit, hier Tiefe;dort Modesucht, hier Herrschaft der Sitte;dort Veränderlichkeit, hier ruhige Beharrlichkeit;

u. s. w. u. s. uu

Hier ist von keiner „Franzosenfresserei", nicht von Franzosen-haß, nicht von Teutomanie, sondern nur von natürlichen und durchdie Verschiedenheit der Geschichte beider Völker befestigten Unter-schieden die Rede. Mögen dieselben auch im Leben nicht überallso grell hervortreten, als sie hier auf dem Papier erscheinen, daswird doch jeder zugeben, daß es schier die Unbegreiflichkeit über-steigt, daß das französische Volk einen mächtigen Einfluß auf Deutsch-land hat gewinnen können; wie es möglich gewesen, daß französische

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