Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
Seite
177
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mncherei, wo nicht gar in Aufschneidern und Unwahrhaftigkeit,und zwar in dem Maße, daß man gerade durch den Akt, in welchemman die Treue, Wahrhaftigkeit, Geradheit, Unparteilichkeit,Gerechtigkeit der eigenen Nation preist, diese Tugenden verleugnetund damit die eigene Behauptung durch sich selbst als unwahrerweist. Daruin entschlagen wir uns vernünftiger- und billiger-weise dieser Art von Selbsterhebung, und zwar ganz und gar;wenigstens muß gefordert werden, daß der Nachweis jener Be-hauptungen geliefert werde.

Ebensowenig können wir in betreff der Aufgabe derNationalerziehung uns für befriedigt erklären, wenn man unssagt, daß wir diechristlich-germanische" Erziehung an-zustreben hätten, wenn das Wesen derselben nicht gründlich nach-gewiesen wird.

Christlich-germanisch"! es wäre ja möglich, daßdie beiden durch diese Verbindung zusammengeleimten Begriffenicht miteinander stimmten, sondern einen inneren Widerspruchenthielten.

Es wäre möglich, daß der Redende unterchristlich" etwasverstände, was durch das zweite Wort beschränkt oder total ver-neint wird.

Man hat, und zwar gerade von der Seite, von welcher diegenannte Forderung ausgeht, behauptet, es gäbe kein allgemeinesChristentum, keine allgemeine christliche Religion, sondern nurkonkrete, spezifisch verschiedene Konfessionen katholische,lutherische, reformierte u. s. w. wie, wenn nun der Redendedieser Meinung wäre, würde dann in Deutschland, wo die Be-wohner verschiedenen Konfessionen und, jenem Sinne nach, ver-schiedenen Christentümcrn angehören, von einer alle Glieder um-fassenden christlich-germanischen Erziehung die Rede sein können?Ohne Zweifel nicht.

Der aufgestellte zusammengesetzte Begriff ist daher seiner Sub-stanz nach der Erläuterung und Erklärung wesentlich bedürftig.

Verstände der Redende unterchristlich" die Eigenschaftunsrer Religion, nach der sie allgemeine Weltreligion, allgemeine,in jeden einzelnen Menschen eingehende Gesinnung werden soll, in

Tiei'terweg, Ausgew. Lchrnten. 2. Aufl. III. 12