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wenden, braucht dein Beurteilenden die menschliche Natur nichtin allen ihren einzelnen Eigenschaften, sondern nur in ihrer all-gemeinen Wesenheit vor der Seele zu stehen. Jenes dürfte dasUrteil eher verwirren, als verklären. Also: der Gesamtinhaltdes Buches, der Kern desselben, seine Prinzipien und der Gesamt-eindruck, den es in dem unbefangenen Leser hervorbringt, wirdmit jenem lebendigen Bilde von der Natur des Menschen zu-sammengehalten, um die Übereinstimmung oder den Widerstreitbeider, ich möchte sagen, in unmittelbarer, innerer Anschauungzu erkennen. So entsteht das Urteil über das Blich an deinersten Prüfstein. Eigentlich müßte es heißen: an dem zweiten.Denn die Beurteilung an dem, was allgemein für wahr ge-halten wird, ist bereits erfolgt, wir reden nur von dem endlichenAbschluß des Urteils, gewissermaßen von der Probe auf dasselbe,summarisch. Der Unterschied zwischen der bereits geschehenenBeurteilung und dieser ersten Probe wird dem Gefühl des Lesersnahe liegen; jene ist mehr eine objektive, diese hat etwas Sub-jektives au sich. Denn die Vorstellungen von der inenschlichenSeele und von der Natur des Menschen sind nicht dieselben. Esgiebt — wenigstens jetzt noch nicht — keine allgemein-gültigeLehre der Psychologie und der Anthropologie; darum giebt man auchdas Urteil an dem ersten der Probiersteine für ein subjektivesaus. Aii dem Leser ist es, dasselbe für richtig zu erklären oderes zu verwerfen. Dieses Subjektive wird man nun und nimmeraus der menschlichen Natur und aus den menschlichen Dingenherausbringen, — Gott sei Dank, möchte ich sagen, denn aufihm ruht die Mannigfaltigkeit des Lebens und seiner Erscheinungen.Eben diese Mannigfaltigkeit erzeugt in verschiedenen Individuelldie Verschiedenheit der Vorstellungen von einem und demselbenDinge. Deswegen muß man sie selbst für eine Folge natürlicher,d. h. von der Natur oder voll Gott bestimmter, also gewollterVerhältnisse oder Faktoren erklären. Wer dieses erkennt, wirddas von ihm in dem Spiegel der menschlichen Seele über einBuch gefällte Urteil nicht für ein objektives, sondern nur fürsein Urteil erklären.
Der zweite Prüfstein des bereits gefällten Urteils wird in