Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
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Harmonie, oder alles ist Stück- und Flickwerk, Halbheit undVerschrobenheit. Der wahre Lehrer lehrt Religion in jeder Stundeund durch all sein Thun, oder er ist überhaupt nichts wert.

Wer Gottes, des ewigen Geistes Walten nicht in allem er-kennt, nur bloß in der Schöpfung des Weltalls, nicht auch imkleinen Menschen, nicht im Sandkorne und Strohhalme; wernicht mit all seinem Thun dem Geiste dienen, sich nicht demGanzen unterordnen, nicht im Ganzen aufgehen, nicht im Ganzenleben will: der kann Alles sein, nur kein religiöser Mensch; derkann dies und jenes Nützliche vollbringen, aberdie Menschheitpflanzet durch ihn sich nicht fort". Wie der ewige Geist oderdie ewige Vernunft in allem ist und waltet, so prägt sich derreligiöse Sinn des wahren Menschen in allem aus; ein Lehrerdieser Art, er lehre Rechnen oder Singen, Schreiben oder Lesen,Geschichte oder Religion er leitet durch alles und jedes zuder rechten Gesinnung und zum rechten Thun an, oder durchgar nichts. Gar mancher nennt sich einen Frommen und ver-leugnet doch Gott in seinem eignen Thun; er schimpft wohlgar einen andern, der nicht so denkt, glaubt uud spricht, wie er,einen Atheisten, und ist doch selbst ein praktischer Atheist.

Wein nur am Sonntage feierlich, am Werkeltage aber werkel-tagsmäßig und genrein zu Mute ist; wer da meint, am Sonn-tage geziemten sich auf Gott gerichtete Gedanken, an den übrigenTagen aber könne man sich der Welt überlassen: der ist geradesoviel wert als ein Lehrer, der seine religiösen Wirkungen aufdie sogenannteReligionsstunde" einschrünkt, daun, wenn sie an-geht, sich zu feierlichem Pathos hinaufschraubt, sonst aber einordinärer und gemeiner Kerl ist. Wieviel wird er wirken!

Nein, meine Freunde, das ganze Leben eines Menschen, allsein Denken, Thun und Streben muß einen Zug nach demHöheren bekunden, oder es ist, da es nicht aus einem Stückeist, da nicht alles in innerer Harmonie steht, nicht viel wert.

Und gerade so ist es beim Lehrer.

In der Schule ist er nicht in gemeiner Stimmung.Nie-mals, niemals, niemals!"

Ich verlange nicht von ihm in allen Stunden gleichgehobene