Druckschrift 
3 (1891)
Entstehung
Seite
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Der Professor Roßmäßler (Der Mensch im Spiegel der Natur")bestätigt sie aus seiner Gesellschaft:

Es machte mir Vergnügen, wahrzunehmen, daß dieses aufnaturwissenschaftlichem Grunde beruhende Gespräch schnell allesübrige Geplauder niedergeschlagen hatte. Ich habe es nochstets so gefunden. Sobald sich naturwissenschaftlicherStoff unter die vielerlei Unterhaltungsstoffe einer gesprächigenTafelrunde mischt, so verdrängt er bald alle andern und zuletzthört inan nur den von der Natur Erzählenden, und die übrigensind stumme, aufmerksame Zuhörer."

Die Zeit der Aufklärung zog vorzugsweise gegen denAberglauben zu Felde.

Nun ist jene Zeit und wohl auch die Aufklärung selbstvielen verhaßt. Ob es daher kommt, daß manche, um nichtzu viel zu sagen, es ungern hören und sehen, wenn man sichjenen Streitern zugesellt, weiß ich nicht; aber ich vermute, daßes dazu beigetrageu hat. Ich halte mich an das Faktum, daßdiesen Personen eine Rede gegen den Aberglauben unangenehmeEmpfindungeil erregt. Sie haben dabei das Gefühl, daß mitdem Aberglauben auch der Glaube angetastet werde. Ob und in-wiefern sie recht habeil, wird der Verlauf dieser Bemerkungenzeigen.

Andere hören zwar eine Rede gegen den Aberglauben nichtungern; aber sie sind darum doch keine Freunde des Naturstudiums.Sie machen auf die angebliche Erfahrung aufmerksam, daß dieNaturkundigen leicht zum Unglauben übergehen; ein Natur-kenner, ein Naturforscher, ein Arzt und einUngläubiger" sindbei ihnen fast identische Begriffe. Sie erblicken in dem Natur-studium Gefahr für den Glauben. Wenn sie daher auch zu-geben, daß die Kenntnis der Natur wirklich den Aberglauben be-schränke, so sind sie doch zweifelhaft, ob es nicht besser sei,lieber auf jene Kenntnis zu verzichten, als Gefahr zu laufen, andem Glauben Schiffbruch zu leideu und eine Beute des Raubtiers,Unglaube genannt, zu werden. Unter diesen Besorgnis-Hegendenbefinden sich namentlich manche Geistliche. Ich weiß es speziell,daß, als ich von den Lehrern forderte, sie sollten sich auf das

Diesterweg, Ausgew. Schriften. 2. Aust. III. 8