IV.
Der Einfluß der Naturkenntnis auf Aberglaubenund Anglauben.
„Kann man seinen Verstand nicht an etwasBesserem üben als an unerforschlichen Dingen?"
Lessing.
Die Natur oder die Welt ist das Werk Gottes. Wer daherihn kennen lernen will, muß jene studieren; die Schöpfung deutetdas Wesen des Schöpfers. Es versteht sich von selbst, daß siees auch verdient, um ihrer selbst willen erforscht zu werden. Dasweiß jedermann, sowie daß die Naturkenntnis ein wesentlichesund notwendiges Stück der Menschenbildung ist.
Die Kenntnis der Natur übt auch großen Einfluß aus aufzwei Dämonen des Menschengeschlechts, auf den Aberglaubenund den Unglauben; sie tötet beide. Davon soll jetzt dieRede sein.
Die Leser würden vielleicht lieber eine Rede über die Schön-heit und Erhabenheit der Natur hören. Aberglauben und Un-glauben sind keine erbaulichen Gegenstände. Der eine hat eineFratzen-, der andere hat gar keine Physiognomie. Heiter blickteinen der teils lachende, teils ernste Himmel, die schöne und er-habene Natur an.
Gern erkenne ich das an; ja mit Freuden. Denn auch ichbeschäftige mich lieber mit dem Normalen, mit dem Gesetz- undRegelrechten, als mit den Verzerrungen und Karikaturen. Auchich bin von der Überzeugung tief durchdrungen, daß die Natur-widrigkeiten großenteils davon herrühren, daß wir uns zu wenigmit der Schönheit und Erhabenheit, kurz mit der Natur beschäftigen;bin davon durchdrungen, daß die Kenntnis der Natur den Menschenerhebt und belebt, veredelt und reinigt; davon durchdrungen, daß