Druckschrift 
1 (1821)
Entstehung
Seite
97
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Damit, lieber Doktor, mag es für heute sein Bewen-den haben. 'Auf dem, bisher von Ihne» betretenen Wege

In der frei.» Reichsstadt Dvrtm u nd nämlich, in weicher ich znmTsieil meine höhere Jugendbilduiig clnvfinq, hacke in dem Kainpfezwischen der Aristokratie und der Demokratie, welcher in allen Frei-staaten dcS Mittelalters eben so gekämpft wurde, wie früher >n denFreistaaten des alten Griechenlands, die Delnokratie^vollständig gesiegt,ond einen non den Zünften erwählten Rath an die Spitze des Stadtre-gimcnts gcscht. Wer mühte sich, nach »nscrs Gegners Ansicht vonhcn Künsten, unter einer solchen Junsrkcrrschaft nicht eine wahre tür-kische Despotie und in Dortmund ein anderes Sodom Und Gomorrhadenken! Und lag wirklich dem Zunftwesen kein höheres edleres Prinzipzum Grunde, so muhte sich hier die Entartung der Zünfte in ihremgrellsten Bilde zeigen und eine von den Zünften ausgehende Verdor-benheit das ganze bürgerliche Leben ergreifen. Wie wenig dies aberder Fall war, wissen diejenigen, die Dortmund in seiner Rcichsstädti-schcn Zeit noch gekannt habe».

Gewiß ist Niemand weniger geneigt, als ich, als Vcrthcidiger einessolchen Zunstregiments auszutrcten, auch konnten die Mängel, welcheder Dortmunder Verfassung ankl-btcn, und welche von ilir ans aufdie städtische Verwaltung, Justiz und Polizei übergingen, wohl keinem,auch nur oberflächlichen , Bem achter unbekannt bleiben. Es konnteschwerlich irgendwo weniger regiert werden, als in Dortmund, aberdcmnngeachtet bewegte sich das Leben in seinen.- ordentlichen sittlichenbürgerliche» Geleise wie von selbst , fast ohne alle Vcihülfc der Polizeiund Justiz, fort, und grobe Verlegungen der Gesetze, so wie Aus-schweifungen aller Art waren dort gewiß seltener, als in vielen andernStädten, die einer ohne Vergleich bessern Justiz- und Polizcipflegegenossen. Was aber mehr wirkte, als Justiz und Polizei je wirkenkann, und was das ganze Leben zusammcnhielk, das war der wahrhaftehrenhafte und ehrenvestc bürgerliche Sinn, von dem sich die Spurennoch überall unter dem jetzigen Dortmunder Bürgcrstandc zeigen. Dagdieser Sinn aber zum großen Theil aus dem Zunftwesen hcrvorging,davon habe ich mich selbst oft und mehrmals zu meiner Verwunderungzn überzeuge» Gelegenheit gehabt- Es ist mir dadurch klar geworden,was Mdser irgendwo sagt:Es liehe sich eine vortreffliche Parallelezwischen den Mitteln, wodurch die Alten freie Menschen zun, gemeinenWvbl leitete», und den neuern, wodurch alle Empfindungen der Ehreniedergeschlagen wird, entwerfe». Es diente aber dermalen z nichts,da unsere Gesetzgeber die große Kunst verstehen, die Ehrlichkeit beiStrafe des Zuchthauses und BestnugSbaues zu befehlen, und die Lan-desverordnungen in eben dem Tone zu fassen, welchen ein Herr gegenseine Knechte gebrauchen kann!!" Zu solchen Mittel»,, wodurchdie Alten freie Menschen zum gemeinen Wohl leiteten, rechne ich un-bedenklich die Ziinftverfassungcn, und die Geschichte kann des Zeugesch«.

Selbst in den letzten Zeiten ihrer Entartung haben sie diesen Cha-rakter nie ganz verloren und immer noch einen gewissen Begriff vonBürgcrehre, unter dem Bürgerstandc erhalten. Hätte inan nicht mitVorgefaßter Ansicht das Znnstlebe» und Wesen betrachtet, gewiß hätte

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