89
Als der Negierungs-Rath Gravcll seinen antipla-tonischcn Staat schrieb, vcrthcidigte cr Zünfte und Tarenmit gleicher, ihm angcborncr Heftigkeit. In der zweiten,mit einem Nachtrage versehenen Auflage, die 1812 er-schien, blieb er zwar bei seiner Ueberzcngnng von denZünften stehen, in Ansehung der Taren aber hatte erseine Meinung völlig geändert. Ucberall bin ich zwarmit dem vortrefflichen Manne auch jetzt noch nicht cin-versianden, aber, wenn Ihnen das Schriftlein zur Hand,so versäumen Cie doch ja nicht, jenen Passus sich zu Gcmüthcz» führen. Es ist recht gut, daß man sich selbst nichtsvorentbalte, was zur Berichtigung irgend schräger An-schauung dienen mag; cs hat dann u.m so weniger Noth,daß man in einen nazionalcn Aberglauben sinke, und umso entfernter ist die Gefahr, daß durch einigermaßen ein-seitige Bchandlungsweisc das zu Messende zum Maßeselbst werde. Lasten Sic mich cs offen gestehen daß ichSie dieser Gefahr nahe glaube, da Sie offenbar die Na-zionalwirthschaft der mittler» Zeit überschätzen, von welchereben nicht Manches und Sonderliches zu rühmen *)
Nicht die Zünfte wünschen wir des i8tcn lind ryteu Aahrstnnderts,noch selbst die des Mittelalters in stnserer Zeit wieder bcrgestrllt,wob! aber wünschen wir dem Zeitalter das Biitungsprinzip des An-nnngs- und Zunftwesens selbst zu erhalten, da wir in ilnn das ein-zige und eigentstnmliche Bildungs-Element organischer Gemeinde-Verfassungen (nicht Ordnungen, erblicken, und diese als daseinzige Mittel anscstc», de» regellose» Bewegungen anarchischer Volks-gewalt, wie dem Andranqen einer systematisch fortschreitende» , allesnach einförmigen Leisten mechanisirendcn und der Beamten - Willkührunlerwcrsenden, Staatsverwaltung, zu widerstehen.
d. H.
») Von der Nazionalwirtstschaft des Mittelalters im Allgemeinen stabe»wir nirgends geredet, weder znn, Lobe, noch zum Tadel. An Ve-ziel'una ans die vorststwebendc Streitfrage aber glauben wir dreistebehaupten zu können, dag das Mittelalter in der Bildung germanisch-christlicher städtischer Gemeindcvcrsassungen von sein- richtigen Grund-säycn ansgegangen sey und stierin allerdings unser,!, Zeitalter alsMuster vorgesteilt zn werden verdiene. Die unleugbare Herrlichkeitdes Städtclebcns in, Mittelalter kan» den lest,,. Beweis davon geben
daß uns in diesem Urlsteilc nicht einseitige Vorliebe, und sogenannteM'ttclallerthlstiielei leitet, d. H