Schiefer -
Höhe u. Länge der Sinus des Neigungswinkels.Die S. E. ist bcs. wichtig in der Physik, wo ihreGesetze die Grundlage bei manchen Untersuchungenbilden, so namentlich bei der des Pendels. Für dasGleichgewicht ans der S-n E. gilt Folgendes. Be-findet sich auf ihr ein schwerer Körper, der sich ohneReibung bewegenkannswie etwa eine glatte Kugel),sokann man sich nach deyi Satze vom ParallelogrammderKrästedieWirknngderSchwerkraftanfdenKörperin 2 Kräftezerlegt denken, vondenendie eine gegendieS. E. senkrecht gerichtet ist. Diese wird durch dieFestig-keit der S-n E. aufgehoben u. kommt nur als Druckgegen dieselbe in Betracht. Die Richtung der zweitenSeitenkraftwelche an sich willkürlich ist, wählt man so,daß sie mitderKraft,welche dasGleichgewichtherstellensoll, in eine grade Linie fällt, u. erfährt dann, wiegroß jene Kraft sein muß. Man findet so: Ist dieKraft parallel der S-n E. gerichtet, so muß sich dieKraft zur Last, wie die Höhe zur Länge der S-n E.verhalten; ist aber die Kraft parallel der Basis ge-richtet, so muß sich die Kraft zur Last wie die Höhezur Basis verhalten. Im ersten Falle ist die Kraftgleich dem Product der Last mit dem Sinus, im letz-ten mit der Tangente des Neigungswinkels. Daserstere Product heißt auch das relative Gewicht desKörpers auf der S-n E. Die Bewegungsgesetzeaber sind folgende: Ein Körper bewegt sich auf derS-n E. mit zunehmender Geschwindigkeit abwärts;die beschleunigende Kraft, die ihn in dieser Richtungtreibt, ist gleich dem Product aus der beschleunigen-den Kraft der Schwere u. dem Sinus des Neigungs-winkels. Hieraus ergibt sich, daß der Körper in je-dem Punkte dieselbe Geschwindigkeit hat, die einKör-per erlangt, der frei durch die entsprechende Höhe ge-fallen ist; daß aber die Fallzeit im Verhältnis) desSinus des Neigungswinkels größer ist, als die desfreifallenden Körpers. Diese Gesetze des Gleichge-wichts und der Bewegung gelten jedoch nur, wennkeine Reibung vorhanden ist. Au materiellen S-nE-n werden sie durch die Reibung beträchtlich modi-ficirt. In der Praxis findet die S. E. Anwendungals Keil, Schraube, zum Auf- u. Abladen von Lasten,beim Eisenbahnbau (Seilbahnen), bei Kanälen (El-bing-Oberländischer Kanal rc.) n. s. w. Stahl.
Schiefer , im Allgemeinen Gesteine, welche sichnach einer Richtung hin in dickeren oder dünnerenPlatten oder Tafeln spalten lassen. Die Structursolcher Gesteine nennt man schieferig, u. zwardick-od. dünnschieserig, je nachdem dieselben in dicken od.dünnen Platten brechen. Man unterscheidet nachihren Bestandtheilen verschiedene Arten vonS., wieGlimmer-, Hornblende-, Talk-, Chlorit-, Kiesel-,Thon-, Alaun-, Mergel-, Kupfer-, Kalk-S.; nachihrer Anwendung Zeichen-, Wetz-, Polir-, Dach-S.Der S. wird im Bauwesen benutzt zu Dacheiudeckun-gen.Gesimsabdeckungeu, Fußbodenplatten, Wandbe-kleidungen u. dergl. Guter Dach--S. muß möglichstdünn u. fest sein u. darf sehr wenig Wasser ansaugeu.Diese Eigenschaften besitzt bes. der englische S., wel-cher in Tafeln von 46 x 23 bis 66 x 41 ein Größeverwendet wird. Es gibt drei Methoden der Dach-eindeckung mit S., die deutsche, oder die desSchuppendaches (wobei die S. in unregelmäßi-gen Stücken wie der Bruch sie bietet, auf Schaaluugin schräg aufwärts steigenden, parallelen Reihen ein-gedeckt werden), die englische (beiwelcherdie recht-Pierers llniversal-CoiwersatioiiZ-ieiilon. L. Aust- XV
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eckig behauenen Platten ohne seitliche Überdeckung,jedoch schichtenweise um die halbe Breite versetzt, soauf Lattung genagelt werden, daß sie knapp zurHälfte sichtbar frei liegen), die thüringische (wobeiregelmäßige, aber ungleichseitige sechseckige Plattenso auf Schaalung eingedeckt werden, daß die S-überdeckung überall eine dreifache ist und daß dieDachoberfläche ein regelmäßiges, rautenförmigesMuster zeigt). S-nägel, sowie Leiterhaken müssenaus verzinktem Eisen hergestellt werden. S-Platten fürGesimsabdeckungen werden 1—2om stark hergestellt.
Schiefergas, s. Gasbeleuchtung v.
Schiefergrün, so v. w. Berggrün.
Schieferkohle, Steinkohle m. schieferig. Bruche.
Schieferöl, das aus bituminösenSchieferndurchtrockene Destillation erhaltene Öl. Solche Schiefer(welche in der Regel mit rußender Flamme brennen)finden sich bes. bei Reutlingen, am Rhein bei Neu-wied, Linz u. Bonn, in Westfalen, in der Vendee u.bei Autuu in Frankreich. Das S. wird entwederdurch fractionirie Destillation rectifirirt und liefertdann Paraffin, Schmieröle und ein dem Petroleumähnliches Brennöl, od. es wird zur Leuchtgasfabri-kation verwandt, s. Gasbeleuchtung O. Jmigck.
Schieferpapier u. Schieferpergament, star-kes Papier od. dünne,„glatte Pappe, in der Regel erstmit einer wohlfeilen Ölfarbe, dann mit Kieuruß inLeinölfirniß überstrichen und jedesmal abgeschlifsen,endlich mit derselben schwarzen Farbe, mit Terpen-tinöl verdünnt n. mit geschlämmtem Bimsstein od.Schmirgelpulver versetzt, angestrichen, seltener bloßmit gemahlenem Schiefer u. Leim überzogen; maukann mit Schieferstift darauf schreiben; es ersetzt alsodie schweren, unbiegsamen Schiefertafeln, auch wolin Notizbüchern das Pergament. Aungck.
Schieferschtvarz, so v. w. schwarze Kreide.
Schieferweiß ist das ganz reine, noch nicht ge-mahlene Bleiweiß.
Schiefheit u. Schieftverden, s. u. Verkrümm-ungen.
Schief»er,F r anz Ant o n, bedeutender Sprach-cscher, bes. im tibetanischen u. kaukasischen Sprach-gebiete, geb. 6/18. Juli 1817 in Reval, studirte erstRechtswissenschaft in Petersburg, dann seit 1842 inBerlin u. seit 1846 wieder in Petersburg mit be-sonderer Vorliebe orientalische Sprachen, wurdeProfessor der alten Sprachen au einem Gymnasium,1852 Mitglied der Akademie in Petersburg, 1863Bibliothekar derselben u. 1866 Wirklicher Staatsrath.Seine wissenschaftliche Thätigkeit bewegte sich aufdem Gebiet der Kaukasischen Sprachen durch Ab-handlungen über das Awarische, Tschetschenzische,Kastkumükische, Udische, Abchasische n. auf dem desural-altaischen Sprachstammes durch Herausgabevon Castrens Reisen u. Forschungen u. werthvollenBeiträgen zu denselben, namentlich über das Tuu-gusische,Koibalische, Samojedische, durch Übersetzungdes finnischen Epos Kalewala, Bearbeitung derHeldensagen der Minnssinschen Tataren, endlich inErforschung der tibetischen Sprache n. des tibetischenu. mongolischen Buddhismus durch mehrfache Ab-handlungen u. Übersetzungen, so von TaranathasGeschichte des Buddhismus (1869), einer tibet. Le-bensbeschreibung Buddhas (1849). Die Werke sindfast sämmtlich in den Memoiren oder im Auftrag derRussischen Akademie zu Petersburg erschienen.
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